„Just Do it!“ – Jaakko Blomberg bringt Farbe in Helsinkis Stadtkultur

(FOTO: Finntastic) Jaakko Blomberg im Gespräch mit Inken von Finntastic.
(FOTO: Finntastic) Jaakko Blomberg im Gespräch mit Inken von Finntastic.

Ohne Jaakko Blomberg wäre Finnlands Hauptstadt Helsinki nicht die Stadt, die sie jetzt ist. Denn der Aktivist und Stadtmacher – so nennt er sich selbst – hat in den letzten sechs Jahren vor Ort eine Menge bewegt. Was genau er so alles in Helsinki verändert hat, wollte ich natürlich persönlich von ihm wissen und habe ihn während meines letzten Helsinkiurlaubs im Stadtteil Kallio im gemütlichen Café IPI Kulmakuppila zum Interview getroffen.

Finntastic:
Moi Jaakko, schön Dich kennenzulernen. Sehr beeindruckend, was Du in den letzten Jahren für Helsinkis urbane Stadtkultur aus dem Boden gestampft hast. Darüber musst Du mir unbedingt mehr erzählen. Angefangen hat alles mit dem Siivouspäivä. Wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen und was genau hat es damit auf sich?

Jaakko Blomberg:
Der Siivouspäivä ist kurz gesagt ein riesiger Flohmarkt über ganz Helsinki verteilt. Er fand 2012 das erste Mal statt. Begonnen hat alles ganz zufällig mit einem Facebookpost von Pauliina Seppälä – die ich damals übrigens noch gar nicht kannte. Sie fragte, wie sie sich von all den überflüssigen Gegenständen trennen könnte. Und da kam mir die Idee, einen Flohmarkt ins Leben zu rufen. Aber keinen kommerziellen, wo man enorm viel Standmiete zahlen muss, sondern ein kostenloses Event, an dem jeder mitmachen kann, der gerne ein paar alte Sachen loswerden will. Frei nach dem Motto „Ich reinige mich und gleichzeitig die ganze Stadt“. Gemeinsam mit Pauliina Seppälä, Tanja Jänicke und ein paar weiteren Leuten haben wir dann den Siivouspäivä ins Leben gerufen.

Finntastic:
Eine super Idee!  Doch die Stadt Helsinki fand das zunächst gar nicht so toll…

Jaakko Blomberg:
Stimmt, die Stadt Helsinki war anfangs überhaupt nicht begeistert von unserer Idee. Sie wollte sogar, dass wir das Event absagen, weil sie befürchtete, dass Helsinki im Müllchaos versinkt. Doch am Ende war die Stadt sauberer als vorher. Denn an vielen Orten gab es Recyclingmöglichkeiten, wo jeder sein Zeug kostenlos entsorgen konnte, wenn er es nicht auf dem Flohmarkt verkauft hat und nicht mehr mit nach Hause nehmen wollte.

Siivouspäivä 2014
(FOTO: Jaakko Blomberg) Einmal im Jahr findet in Helsinki der Siivouspäivä statt. Ein großer Open-Air-Flohmarkt über die ganze Stadt verteilt, an dem jeder mitmachen kann, der alte Sachen loswerden möchte.
Finntastic:
Und wie habt ihr die Stadt dann doch mit ins Boot geholt und eure Idee bekannt gemacht?

Jaakko Blomberg:
Als wir keine Erlaubnis von den Behörden erhielten und die Stadt uns gedrängt hat, die Veranstaltung abzusagen, haben wir auf unserer Website einen Link installiert, wo jeder Interessierte eine Genehmigung an die Stadtverwaltung schicken konnte. Letztendlich waren es so viele Anfragen, dass die Stadt mit der Beantwortung der Genehmigungen nicht hinterhergekommen ist. Wir haben das Event dann einfach ohne Genehmigung durchgezogen. Zur Bekanntmachung haben wir Facebook als Kommunikationsplattform genutzt. Das machen wir heute noch bei allen Projekten und es funktioniert perfekt. Unsere Facebookseite zum Siivouspäivä hat mittlerweile über 60.000 Fans. Facebook ist ein tolles Mittel zur Vernetzung. Damals haben wir so im Handumdrehen ganz viele Leute gefunden, die uns beispielsweise ein Logo designt oder uns anderweitig unterstützt haben. Jedes Jahr zum Siivouspäivä, der übrigens jetzt wieder am 25. August 2018 stattfindet, kann jeder, der mitmachen will, kann auf der Website seinen Flohmarktstand auf einer Karte markieren, so weiß jeder Trödelfreund, wo er sich auf Schatzsuche begeben kann.

Finntastic:
Und wie sieht die Stadt das Ganze, nachdem es funktioniert hat?

Jaakko Blomberg
Mittlerweile toleriert sie unser Event und gehört sogar zu den Unterstützern des „Siivouspäivä“. Auch Visit Helsinki ist mit dabei und auch die finnische Presse hat schon oft über das Event berichtet. Beim Siivouspäivä machen derweil rund 100 Städte mit, übrigens nicht nur Finnland. Es gibt sogar Adaptionen in Russland und Japan. Aus dem Ganzen hat sich auch der Flohmarkt im Dallapénpuisto, an der Aleksis Kiven Katu, in Kallio, gleich bei mir um die Ecke entwickelt. Der Flohmarkt findet in den Sommermonaten jeden Sonntag statt. Mehr erfährst Du auf unserer Flohmarkt-Website.

Flohmarkt Aleksis Kiven Katu
(FOTO: Jaakko Blomberg) In den Sommermonaten können Flohmarktfans jeden Sonntag im Dallanpénpuisto nahe der Aleksis Kiven Katu auf Schatzsuche gehen.
Finntastic:
Auf dem Flohmarkt war ich letztes Jahr auch! Die Leute sind mega nett und ich habe mir tolle Sachen gekauft, z.B. ein paar schöne DVDs auf Finnisch. Und aus diesen ersten Flohmarktprojekten hat sich schließlich eure Non-Profit Organisation Yhteismaa (Common Ground) entwickelt?

Jaakko Blomberg:
Genau, ich habe Yhteismaa, das so viel wie „Gemeinsamer Platz“ bedeutet, zusammen mit Pauliina Seppälä, Tanja Jänicke und Marko Tanninen gegründet. Es ist eine nicht politische Organisation, die neben dem Siivouspäivä bereits viele weitere spannende urbane und soziale Projekte realisiert hat, beispielsweise das „Dinner under the Sky“, das am 12. Juni 2013 an Helsinkis Geburtstag das erste Mal stattfand. Dafür haben wir die gesamte Esplanade, eine der Hauptverkehrsadern in Helsinki, die vom Stockmann bis zum Hafen verläuft, sperren lassen und einen 300 Meter langen Tisch für rund 1.000 Gäste aufgestellt.

Dinner under the Sky
(FOTO: Jaakko Blomberg) Die vielbefahrene Esplanade in Helsinki vor und während des „Dinner under the Sky“.
Finntastic:
Und wie viele Leute sind gekommen?

Jaakko Blomberg:
Fast alle 1.000 Leute, die sich vorher über unsere Website angemeldet haben. Die Tischplätze waren innerhalb von zweieinhalb Minuten ausgebucht! Das hat uns auch ein wenig überrascht…*lacht*

Finntastic:
Und das geschah dieses Mal problemlos mit Erlaubnis der Behörden?

Jaakko Blomberg:
Genau, die Stadt hat erkannt, dass sie im Endeffekt von unseren Ideen und Projekten profitieren kann. Wir waren allerdings diesmal selbst skeptisch, ob das Projekt Erfolg hat, weil es an diesem Tag in Strömen geregnet hat. Als die Sonne rauskam, haben wir schnell alles trocken gewischt und auf das Erbarmen des Wettergotts gehofft. Doch leider kam es anders. Als sich die ersten Gäste mit ihrem Essen niederließen, begann es wieder in Strömen zu regnen. Aber die Leute sind geblieben, haben ihre Regenschirme aufgespannt und weiter gegessen. Es war einfach toll!

Finntastic:
Und daraus hat sich dann das „Dinner under the Helsinki Sky“ entwickelt.

Jaakko Blomberg:
Richtig, wir veranstalten es seitdem jedes Jahr gemeinsam mit der Stadt Helsinki. Es ist im Endeffekt ein „Dinner under the Sky“ über ganz Helsinki verteilt. Heute machen bei dem Event, das jetzt „Finnish your Dinner“ heißt, auch viele andere Städte mit und das sogar weltweit! Es findet dieses Jahr wieder am 9. August statt. Auf einer Online-Karte kann jeder sein eigenes Dinner eintragen. So wissen die Leute wohin sie kommen sollen und ob sie selbst etwas beisteuern können. Jeder, der gerne an einem Dinner teilnehmen möchte, kann sich dann über das Reservierungssystem einen Platz sichern. Es gibt aber auch öffentliche Events, wo man sich nicht vorher anmelden muss.

Dinner under the Helsinki Sky
(FOTO: Jaakkok Blomberg) Das Dinner under the Helsinki Sky findet dieses Jahr im August wieder unter dem Titel „Finnish Your Dinner“ statt.
Finntastic:
Helsinkis ehemaliger Vize-Bürgermeister Pekka Sauri hat Dich sogar bereits als „grüne Ressource für Helsinkis urbanes Leben“ bezeichnet. Hast Du vor, dich künftig auch mehr politisch für Helsinki zu engagieren?

Jaakko Blomberg:
Nein, ich habe auch künftig nicht vor, mich politisch zu engagieren. Die einzige Aktion, die bisher ein wenig politisch geprägt war, war zugegebenermaßen der Parking Day. Die Idee stammt ursprünglich aus San Francisco. Ziel der Aktion ist es, den Leute zu demonstrieren, dass man Parkflächen auch auf andere Weise nutzen kann. Ich denke jedenfalls, wenn ich unpolitisch bleibe, meine Ideen und Projekte der Entwicklung des urbanen Lebens in Helsinki verschreibe und es schaffe Menschen für ihre Stadt zu interessieren und zu begeistern, kann ich viel mehr für Helsinki bewegen. Das allein ist für mich Ehre genug.

Parking Day Helsinki
(FOTO: Jaakko Blomberg) Jaakko Blomberg ist sich sicher, viele Parkplätze könnten einer sinnvolleren Nutzung zugeführt werden.
Finntastic:
Und wie schaffst Du es immer wieder andere Menschen für Deine Ideen und Projekte zu begeistern? Was gefällt Dir so besonders am Stadtteil Kallio? Wie ich gehört habe, wohnst Du ganz in der Nähe im benachbarten Stadtteil Vallila.

Jaakko Blomberg:
Früher war Kallio ein Arbeiterstadtteil, heute wohnen dort viele Studenten und es gibt jede Menge coole Bars und Kneipen, die Atmosphäre ist locker. Kallio hat aber leider auch viele Orte und Plätze mit extrem hohem Verkehrsaufkommen. Seit 2011 organisiert die Kallio-liike daher einmal im Jahr die Kallio Block Party, für die jedes Jahr ein anderer Straßenabschnitt komplett gesperrt wird. Das Fest wird nur von Ehrenamtlichen organisiert und es treten dort richtig gute Bands ganz ohne Bezahlung auf. Auch das Kultuuritalo in Kallio, für das ich eine Zeit lang gearbeitet und Ausstellungen und Konzerte organisiert habe, ist mit von der Partie. Bislang gab es pro Party rund 30.000 Besucher. Ich glaube, dass es einfach wichtig ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man als Bürger Teil der Stadt ist und damit auch selbst Dinge verändern und die Entwicklung in seinem Stadtteil bzw. in der Stadt an sich mitgestalten kann. Die Kallio Blockparty findet dieses Jahr am 4. August 2018 statt. Jeder ist willkommen mitzumachen. Wer Interesse hat, kann sich über ein Kontaktformular auf der Website bewerben.

Kallio Block Party
(FOTO: Jaakko Blomberg) Einmal im Jahr findet im Helsinkier Stadtteil Kallio ein riesiges Straßenfest, die Kallio Block Part,  statt.
Finntastic:
Und was hat es mit der Konepaja-Bewegung auf sich?

Jaakko Blomberg:
In der Nähe von Kallio gibt es ein großes Areal mit alten Eisenbahnhallen, dass der finnischen Bahn VR gehörte. Früher wurden dort Eisenbahnwaggons und Lokomotiven gebaut und gewartet. Die VR wollte das Areal vor einiger Zeit an einen Investor verkaufen, der das historische Gebäude abreißen und auf der Fläche einen Baumarkt errichtet wollte. Viele Anwohner waren dagegen und so hat sich eine Protestbewegung, die Konepaja-liike formiert, die sich gegen das geplante Vorhaben zur Wehr gesetzt hat. Bei der Stadt sind rund 500 Protestschreiben eingegangen und es gab viel negative Kritik durch die Presse, so dass der Investor von der Stadt letztendlich doch keine Baugenehmigung erhalten hat. Wir haben daraufhin gemeinsam mit Antti Möller, einem Nachbar und Politiker sowie weiteren Aktivisten eigene Vorschläge für die Nutzung des historischen Areals erarbeitet und an die örtliche Presse geschickt. Wir sind der Meinung das das Areal vielfältig nutzbar ist, z.B. könnte man dort verschiedene Restaurants, Cafés, Geschäfte, Galerien und Künstlerateliers sowie ein Fitness-Center unterbringen und das Areal auch regelmäßig für einen Flohmarkt nutzen. Es gibt sogar bereits zahlreiche Firmen, die Interesse bekundet haben. Gerade hat der ehemalige US Botschafter und Real Estate Eigentümer Bruce Oreck mehrere Gebäude auf dem Areal erworben. Gemeinsam mit ihm möchte die Konepaja-Bewegung aus diesen historischen Gebäuden einen Ort der Begegnung und Kultur machen. Die Verhandlungen mit der Stadt laufen und wir hoffen, dass uns die Stadt bei dem Vorhaben unterstützt. 

Konepaja Areal in Helsinki
(FOTO: Jaakko Blomberg) Die alten Eisenbahnhallen in der Nähe von Kallio sollen künftig zu einem Zentrum für Kunst, Kultur und urbanes Leben werden.
Finntastic:
Das wäre wirklich sehr schade, wenn so ein schönes Industriedenkmal einem Baumarkt weichen müsste. Euer Konzept ist definitiv eine Bereicherung für Kallios Stadtteilkultur und für ganz Helsinki! Seit März 2016 gibt es einmal im Jahr auch den Helsinki Sauna Day, den ihr gemeinsam mit Visit Helsinki veranstaltet. Wie entstand die Idee dazu?

Jaakko Blomberg:
Die Saunatradition ist fester Bestandteil der finnischen Kultur. Vor Jahren gab es einmal zahlreiche öffentliche Saunen in ganz Helsinki. Mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern und Eigenheimen ging der Bedarf an öffentlichen Schwitzstuben zurück, weil heute meist jedes Wohnhaus und Eigenheim eine eigene Sauna hat. Ich glaube, dass unsere Aktion dazu beigetragen hat, dass es mittlerweile wieder fünf öffentliche Saunen gibt, eine neue ist z.B. die Löyly Sauna am Hernesaarenranta. Der primäre Gedanke des Helsinki Sauna Day ist es, dass an diesem Tag jeder seine private Sauna der Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Bislang gab es pro Aktionstag rund 50 teilnehmende Saunen und rund 2.500 Saunabesucher. Das Event findet meist einmal im Jahr im März (ab und zu wie im Jahr 2016 auch im Oktober) statt und ist eine tolle Möglichkeit um Menschen zusammenzubringen. Der nächste Termin ist am 9. März 2019. Über ein Reservierungssystem kann jeder seine Sauna registrieren und Saunafans können ihren Saunagang über das System buchen. Mit dabei ist auch wieder die Do-it-yourself Sompasauna, ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt von engagierten Helsinkiern. Nachdem sie lange Zeit auf Widerstand gestoßen ist, hat sie vor einiger Zeit sogar den Kulturpreis der Stadt erhalten.

Helsinki Sauna Day
(FOTO: Eetu Ahanen) Im März 2019 können Saunafans in ganz Helsinki wieder in der Schwitzstube entspannen.
Finntastic:
Wirklich spannend zu sehen, wie ihr trotz Widerstand so viele tolle Projekte aus dem Boden gestampft habt. Neben Projekten wie dem Helsinki Sauna Day hast Du auch die Organisation „Helsinki Urban Art“ ins Leben gerufen.

Jaakko Blomberg:
Genau, das Ganze hat sich aus dem Projekt „Mehr Street Art in Helsinki“ entwickelt. Es ging darum Street Art in Helsinki salonfähig zu machen und triste Häuserwände dadurch zu beleben. Denn bis ins Jahr 2008 gab es vor Ort keine etablierte Street Art Szene, da die Stadt Helsinki komplett gegen Graffitis war. Im Jahr 2016 haben wir im Rahmen von „More Street Art in Helsinki“ den Wettbewerb „More Street Art for your hoods“ ins Leben gerufen und dazu aufgerufen, uns Vorschläge für geeignete Locations im Stadtgebiet von Helsinki zu unterbreiten. Letztendlich haben drei Locations das Rennen gemacht: zwei in Kannelmäki und eine in Roihuvuori. Bei der Realisierung hat uns auch die Stadt Helsinki unterstützt. Im Mai 2016 haben wir 40.000 Euro aus dem Regionalfond der finnischen Kulturstiftung für das Projekt erhalten. Aus diesem Projekt hat sich unsere Organisation „Helsinki Urban Art“ entwickelt. Jeder, der z.B. gerne eine Häuserfassade in der Stadt oder anderswo auf der Welt durch Street Art verschönert haben möchte, kann sich bei Interesse mit unserer Organisation in Verbindung setzen. Wir arbeiten mit talentierten und kreativen Künstlern sowie Street Art Artists zusammen. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, schaut gerne auf unserer Website www.helsinkiurbanart.com/en vorbei.

Das Kernteam von Helsinki Urban Art(
(FOTO: Niko Hakkarainen) Jaakko Blomberg (mitte) und sein Team aus Künstlern und Street Art Arists verschönern in diversen Kunstprojekten triste Häuserfassaden in Helsinki.
Finntastic:
Interessant, die Graffitis schaue ich mir ganz sicher bei meinem nächsten Helsinkibesuch an. Außerdem muss ich unbedingt bei eurem veganen Kiosk „Jäno“ vorbeischauen. Wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen?

Jaakko Blomberg:
Als wir im Jahr 2016 erfuhren, dass die Stadt Helsinki einen historischen Kiosk im Style der 1940er-Jahre zum Verkauf anbot, kam uns die Idee einen veganen Kiosk zu eröffnen. Doch wir hatten eigentlich keine Mittel, um bei der Auktion mitzumachen. Da kam uns der Gedanke, eine Crowdfunding-Kampagne über Facebook zu starten. Die Resonanz war überwältigend. In zehn Tagen hatten wir mehr als 40.000 Euro gesammelt und so konnten wir doch an der Auktion teilnehmen und haben mit etwas Glück sogar den Zuschlag erhalten. Im August 2016 war Eröffnung. In den ersten Tagen kamen mehr als 300 Leute vorbei, so dass sich richtige Menschenschlangen vor unserem Kiosk bildeten.

Finntastic:
Total cool! Und wo genau in Helsinki steht euer kleiner veganer Kiosk und ist er das ganze Jahr über geöffnet?

Jaakko Blomberg:
„Jäno“, unser Kiosk, das übrigens übersetzt Hase bedeutet, steht im Stadtteil Töölö, in der Nähe des Nationalmuseums an der Töölö-Bucht, ganz in der Nähe wo auch das Finlandia-Talo ist. Er ist in den Sommermonaten geöffnet. Im Winter schließen wir ihn.

Jäno Kiosk in Vallila
(FOTO: Miia Sirén) Der vegane Kiosk im Herzen des Helsinkier Stadtteil Vallila bietet eine Vielzahl an vegetarischen und veganen Gerichten sowie leckere Säfte und Smoothies.
Finntastic:
Wie ich gehört habe, verkauft ihr im Kiosk auch eigene vegane Säfte und Smoothies mit gleichem Namen. Was hat euer Kiosk noch so alles im Angebot?

Jaakko Blomberg:
Im Angebot haben wir ein buntes Sortiment an Essen und Trinken, z.B. unseren Vöner, einen veganen Kebab mit Brot, Süßkartoffelpommes, Gemüsebällchen, hausgebackenes Gebäck, Eis sowie Kaffee, Tee, Limonaden, alkoholische Getränke und unsere Jäno-Säfte und -Smoothies. Die kann man mittlerweile auch in viele Lebensmittelgeschäfte in und um Helsinki kaufen.

Jäno Saft
(FOTO: Jaakko Blomberg) Die leckeren, kioskeigenen Säfte und Smoothies gibt es mittlerweile auch in vielen Shops in Helsinki zu kaufen.
Finntastic:
Ich bin sehr beeindruckt, wie viele tolle Ideen Du in den letzten Jahren gemeinsam mit anderen Stadtaktivisten realisiert hast. Mach weiter so! Für Deine künftigen Projekte wünsche ich Dir ganz viel Erfolg!

Jaakko Blomberg:
Vielen Dank! Dir auch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Deinem Finnland-Blog und wenn Du zu einem der Events in Helsinki bist oder einfach Lust auf einen Kaffee hast, sag Bescheid. Es gibt ganz sicher so einige chillige Location in der Stadt, die Du noch nicht kennst.

Fintastic:
Das mach ich. Hast Du denn noch ein paar Insidertipps für Helsinki bzw. verrätst Du uns einen deiner Lieblingsplätz?

Jaakko Blomberg:
Im Sommer kann ich unseren Aleksis Kiven Katu Flohmarkt empfehlen, der immer sonntags stattfindet. Meist im Juli gibt es zudem tolle Konzerte im Alppipuisto. Die Felsen dort sind der ideale Ort für gemütliche Picknicks, zum Bier trinken oder auch für Kinder. Zum Schwimmen eignen sich die Freibäder Kumpula und Uimastadion. Richtig gut essen sowie Kaffee trinken kannst du in der Vaasankatu oder Kolmas Linja. Da gibt es viele tolle Restaurants, Cafés und Kneipen, die auch nicht zu teuer sind. Und falls du Street Art magst, kann ich Dir die Stadtteile Pasila und Suvilahti empfehlen.

Finntastic:
Vielen Dank Jaakko, für die tollen Tipps! Dann sehen wir uns bei meiner nächsten Helsinkitour. Kiitos haastatelusta ja nähdään ensi kertaa Suomessa.
Street Art im Helsinkier Stadtteil asila
(FOTO: Jaakko Blomberg) Street Art im Helsinkier Stadtteil Pasila, realisiert durch Helsinki Urban Art

Über Jaakko Blomberg:

Porträt Jaakko Blomberg
(FOTO: Niko Hakkarainen) Jaakko Blombergs zahlreiche, urbane Projekte sind eine Bereicherung für Helsinkis urbane Stadtkultur.

Jaakko Blomberg stammt aus Kajaani in Nordfinnland. Seine Mutter arbeitete als Schuldirektorin, sein Vater als Forstwirt. Auch wenn Jaakko die unberührte Natur und den Wald liebt, konnte sein Vater ihn nicht dazu begeistern, in seine Fußstapfen zu treten. Jaakko interessierte sich schon früh mehr für Menschen und ihre Kultur. Und so studierte er Ethnologie, Geschichte und Archäologie, Literatur- Religions- und Musikwissenschaften sowie Kunstgeschichte in Helsinki, Jyväskylä und in Berlin.

Für das Kultuuritalo in Kallio organisierte er bereits zahlreiche Events und Ausstellungen. Doch auf Dauer waren ihm die traditionellen Veranstaltungsformen, wo sich Kulturproduzenten und Kulturkonsumenten gegenüberstehen zu monoton. Er wollte einfach mehr Leben in Helsinkis urbane Stadtkultur bringen und gleichzeitig mehr junge Menschen sowie andere Bewohner dazu motivieren, sich intensiver für ihre Stadt zu engagieren. Und so begann er gemeinsam mit anderen Stadtmachern und Aktivisten vor sechs Jahren damit, kreative, urbane Cityprojekte in Helsinki zu realisieren.

Mittlerweile gehören die Stadt Helsinki sowie Visit Helsinki zu seinen Unterstützern sowie zahlreiche Privatsponsoren. Jaakko ist zudem weltweit mit anderen Stadtmachern vernetzt und hat bereits auf zahlreichen urbanen Citmaking-Events, wie in Riga, Rom, Amsterdam oder Valletta seine Projekte vorgestellt. Im Netzwerk „Cities in Transition“, ein Netzwerk für Stadtmacher und Aktivisten in ganz Europa, das in den Niederlanden gegründet wurde, repräsentiert er mit seinen Ideen derzeit Finnland. Zudem ist er weltweit unterwegs, um andere Menschen von seinen Ideen zu begeistern sowie Leute in anderen Städten dazu zu motivieren, sich selbst mehr für ihre Stadt zu engagieren und hält dazu Lesungen, Vorträge sowie Workshops zum Thema Stadtaktivismus.

Mehr über Jaako Blombergs aktuelle und künftige Projeke unter www.jaakkoblomberg.fi.


Weitere Artikel und Interviews mit und über den Stadtmacher:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.