BÄNDI – Finnischer Tango der aus der Reihe tanzt

(FOTO: BÄNDI) Die Finntangoband BÄNDI aus Frankfurt bringt finnischen Tango auf die Bühne und verpasst ihm einen ganz eigenen Stil.
(FOTO: BÄNDI) Die Finntangoband BÄNDI aus Frankfurt bringt finnischen Tango auf die Bühne und verpasst ihm einen ganz eigenen Stil.

Bereits mehrfach durfte ich die Finntango BÄNDI live erleben. Zum ersten Mal war das im Schloss Johannisberg im Rheingau, wo die Musiker aus Frankfurt anlässlich des Rheingauer Musikfestivals und einer Filmvorführung des Aki Kaurismäki Films „Die andere Seite der Hoffnung“ als musikalisches live Act auftraten. Und ich muss sagen: Ich bin jedes Mal wieder begeistert, von ihrer besonderen Art und Weise den Finnischen Tango zu interpretieren und auch von ihrer humorvoll-unterhaltsamen Bühnenshow. Jetzt Ende Januar bringt die Band ihr neues Album „Unikuva“ heraus. Im Interview plaudert Schlagzeuger Thomas Salzmann von BÄNDI über die Entstehung des neuen Albums, wie sie auf die Idee kamen, sich auf Finnischen Tango zu spezialisieren und was ihren Finntango so einzigartig macht.

Finnischer Tango mit dem Frankfurter Touch  – Interview mit Thomas Salzmann von BÄNDI

Finntastic:
Hallo Thomas, schön Dich wiederzusehen! Bevor Du uns mehr über euer neues Album „Unikuva“ und euer neues Bühnenprogramm erzählst, verrate uns doch einmal: Wie kamt ihr auf die Idee eine Finntangoband zu gründen und finnischen Tango zu spielen?

Thomas Salzmann
Das ist jetzt rund 22 Jahre her. Ich habe den Finnischen Tango auf einem Fährschiff zwischen Stockholm und Turku kennengelernt. Dort sang die junge und hübsche Anna für mich, begleitet von der Bordkapelle „Satumaa“. Ich kannte damals noch keinen Finnischen Tango und dachte, das ist ja faszinierend. Dann begann ich nachzuschauen und zu forschen und natürlich wird man da beim finnischen Regisseur Kaurismäki und seinen tollen Filmen fündig. 

Zum Glück lernte ich über den Kölner Freund und Filmemacher Bernard Marsch, Stephan Maier kennen, der bei trikont mit der CD „Finnischer Tango – Tule tansimaan“ den ersten finnischen Tangosampler in Deutschland veröffentlicht hat. Übrigens eine sehr empfehlenswerte Scheibe!

Nach zehn Jahren Finnischen Tango-Hörens und nach drei in Berlin mit organisierten  finnischen Film- und Kulturfestivals, übrigens immer mit Timo Valtonen und Tangon Taikkaa als Festivalband, haben wir Bändi 2005 in Frankfurt mit Kristina Debelius, Tobias Frisch, Volker Denkel und Johannes Kramer fast nebenbei realisiert. Wir haben alle keine finnischen Wurzeln, lieben aber die Musik und ihre Melodien und auch das Melancholische – sonst könnten wir das nicht machen. Wir sind in dieser Gruppierung einfach die Idealbesetzung, auch was das Arrangieren und das Bühnenprogramm betrifft.

Finntangoband Bändi
(FOTO: Bernadette Fink) Die Finntangoband BÄNDI aus Frankfurt ist wohl die musikalische Entsprechung der Aki Kaurismäki Filme: melancholisch, unterhaltsam und etwas skurril.

Finntastic:
Welcher Tangosänger bzw. welche Tangomusik hat euch am meisten inspiriert?

Thomas Salzmann:
Der finnische Sänger und Musiker M.A. Numminen und der Chansonsänger Charles Aznavour. Beide haben auch in Deutsch gesungen und wir fassten den Mut, auch ohne ein Wort Finnisch sprechen zu können, es ihnen gleichzutun. Charles Aznavour ist natürlich Franzose! Natürlich haben uns viele finnische Freunde, zum Beispiel Anna Lähdesmäki sowie Outi, Riita und Kirsi von Sisu-radio Frankfurt geholfen, zum Beispiel bei der Aussprache, und auch bei den Songs beraten. Pirjo Mentel von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft, die leider verstorben ist, hat uns auch immer sehr geholfen und unterstützt.

Von den finnischen Komponisten haben uns ansonsten Unto Mononen und immer wieder Toivo Kärki inspiriert, der einmal Jazzmusiker werden wollte und eine große Offenheit in seinen Kompositionen hat.

Finntastic:
Aki Kaurismäki hat einmal gesagt: Tango ist der Blues der Finnen. Wie unterscheidet sich Deiner Meinung nach der Finnische Tango vom lateinamerikanischen Tango?

Thomas Salzmann:
Der Unterschied liegt wohl darin, dass die Finnen meistens in Moll komponieren und die Sehnsucht noch steigern. Es gibt ja das Schlagwort, der finnische Tango sei eine Mischung aus Russischer Romanze und deutscher Marschmusik. 

Finntastic:
Wie würdet ihr eure Tangomusik beschreiben? Was unterscheidet eure Musik vom finnischen Original?

Thomas Salzmann:
Die finnischen Originale sind ja zum Teil schon aus den 1920er-, 30er-, 40er-Jahren und waren oft wunderbare Orchesterstücke. Wir nehmen die Melodien und versuchen daraus etwas Neues zu machen, indem wir andere Musikstile einbringen und sie um die Melodie herum arrangieren. Das können südamerikanische Rhythmen, wie Bossa-Nova oder Rumba sein, oder auch Jazz, Country und Blues Elemente sowie Polka, z.B. die finnische Variante, die man Humppa nennt.

Aber wir haben immer versucht, aufrichtig- fröhlich diese wunderbaren Melodien zu spielen ohne den Charakter und das Sehnsuchtsvolle zu verändern, das wir ja selbst daran lieben. Wir haben mit BÄNDI wohl einen ganz eigenen Weg gefunden, den Finnischen Tango zu spielen und das ist eben echt und nicht nachgemacht.

Wir sagen auch immer, wenn Leute uns zu Comedy-Finnen machen wollen, das wir nur eine deutsche Band sind, die Finnischen Tango spielt – nicht mehr und nicht weniger. Also sind wir wohl Europäer. *lacht* Da hilft manchmal auch, dass man den Text nicht ganz genau kennt, denn dann kann man träumen beim Arrangement und alles ist möglich.

Bändi
(FOTO: Finntastic) Tobias Frisch und seine Geige (links) und Thomas Salzmann am Schlagzeug (rechts) sind wie der Rest der Band ein eingespieltes Team.

Finntastic:
Und wonach sucht ihr eure Tango-Songs aus?

Thomas Salzmann:
Sie müssen eine tolle Melodie haben, die einen mitreißt. Und wenn unser Arrangement in einer halben Stunde nicht steht, dann war es auch nichts.

Finntastic:
Sprecht ihr denn eigentlich selbst Finnisch oder wie habt ihr die finnische Aussprache der Texte gelernt?

Thomas Salzmann:
Gelernt haben wir die Aussprachen zumeist über finnische Platten, CDs und das Internet, denn dort sind es ja die Originaltexte. Viel über die Aussprache haben wir außerdem über finnische Freunde gelernt und Kristina hat sogar einen Finnischkurs belegt. Finnen, die unsere Konzerte besuchen, behaupten zumindest, das sie neunzig Prozent der Texte verstehen. Es klingt wohl zwischendurch aber auch mal ganz lustig. *lacht*

Finntastic:
Euer erstes Album heißt „Satumaa“? Was bedeutet Satumaa auf Deutsch und was verbindet euch mit eurem Debutalbum und den Songs?

Thomas Salzmann:
„Satumaa“ heißt Märchenland und beschreibt unser aller Sehnsucht. Wir sind fest mit der Erde verbunden und würden alle gern gleich einem Vogel in das Märchenland fliegen. Satumaa ist wohl auch sowas wie die heimliche Finnische Nationalhymne und wenn wir es live spielen, hören die Menschen ergriffen zu, als verstünden sie den Text, weil diese wunderbare Melodie in ihnen etwas trifft, das zu ihnen gehört. Das ist Musik!

Satumaa CD Cover
(FOTO: BÄNDI) BÄNDIs Debutalbum “Satumaa” (Märchenland) erschien 2007 und ist eine bunte Mischung aus neu arrangierten Tangosongs aus Finnland.

Finntastic:
Ihr bringt zudem bald ein neues Album heraus? Was erwartet uns auf eurem neuen Album „UNIKUVA“, das Ende Januar 2020 erscheint?

Thomas Salzmann:
Mit „UNIKUVA“, das übersetzt „Der Traum“ heißt, haben wir 13 Finnische Tangos neu eingespielt. Mit dabei sind Kuumat Tuulet (Heiße Winde) aus dem Kaurismäki-Film „Wolken ziehen vorüber“, Rannalla (Am Strand) eine schöne Ballade aus den 1980ern, ein wunderschönes Toivo Kärki Stück “Sininen Hetki” (Die Blaue Stunde) aus den 1940er-Jahren und etliche andere schöne Tangosongs inklusive eines Schreitangos (Gefährliche Lippen).

Wir haben die Songs mit vielen tollen Musikern eingespielt, natürlich mit unseren Gründungsmitgliedern Tobias Frisch und Volker Denkel, aber auch neue Klänge und Instrumente gesucht, z.B. Mit dem Jazzvirtuosen und Komponisten Martin LeJeune an der Pedal-Steel Guitar oder der wunderschönen Klezmer Klarinette von Andrea Emeritzy. Johannes Kramer hat diesmal Cello gespielt und André Berthold Bass. Wir haben uns mehr Raum für den Klang mit den neuen Instrumenten gegeben. Die Idee dahinter war, die Gefühle in der Musik noch mehr zur Geltung zu bringen und es auch zu einem neuen Erlebnis zu machen – für uns und die Hörer.

Bändi Unikuva CD Cover
(FOTO: BÄNDI) Das neue Album “UNIKUVA” ist wieder eine Mischung aus neu arrangierten Tangoklassikern aus Finnland und ein echter Ohrenschmaus.

Finntastic:
Soweit ich gehört habe, enthalten euer neues Album und Bühnenprogramm auch den Schreitango “Gefährliche Lippen”. Was können wir uns darunter vorstellen? Ist das typisch Finnisch?

Thomas Salzmann:
Aber klar doch….Naja vielleicht war es auch der Emotion geschuldet und Tobias Frischs Idee. *lacht*

Aber es gibt in Finnland auch einen Schreichor und zwar die Mieskuoro Huutajat aus Oulu. Solltet ihr euch unbedingt einmal anhören! Die Finnen haben immer wieder sehr skurrile und lustige Musikideen und Bands. Das finde ich gut.

Finntastic:
Ihr seid bislang noch nicht in Finnland auf der Bühne gestanden? Würdet ihr gerne auch einmal im Land des Tango in Moll auftreten?

Thomas Salzmann:
Natürlich. Bisher hat es sich einfach noch nicht ergeben. Der Tavastia Klubi oder das Alexander Theater (Aleksanderin Teatteri) in Helsinki würden uns reizen. Leider sitzen wir immer zwischen den Stühlen bei der Frage: Sind wir ein deutscher oder ein finnischer Kulturexport – oder ein europäischer? *lacht*

BÄNDI
(FOTO: Finntastic) Sängerin Kristina Deblius von BÄNDI beeindruckt während der Konzerte nicht nur mit ihrer gefühlvollen Stimme, sondern auch auf dem E-Piano.

Finntastic:
Wo können wir euch in den nächsten Monaten live hören?

Thomas Salzmann:
Wir spielen am 1. Februar 2020 ein „Unikuva-Release-Konzert“ in Karlsruhe im Kulturzentrum Tempel, in der Scenario Halle Karlsruhe. Im Sommer werden wir in Weimar auftreten und im Herbst spielen wir dann auch im Ausland. Wenn ihr Lust habt zu einem unserer künftigen Konzerte zu kommen, alle Konzerttermine findet ihr immer aktualisiert auf unserer Website www.bändi.com.

Finntastic:
Das klingt toll! Vielen Dank für das schöne Interview. Ich freue mich schon, auf eines eurer nächsten Konzerte! 

Thomas Salzmann:
Dir auch herzlichen Dank, dass wir unser neues Album vorstellen durften. Schau gerne vorbei, wenn wir mal wieder in der Deiner Nähe spielen. 


Über die Frankfurter Finntangoband BÄNDI

Bändi
(FOTO: Finntastic) Ihre neue Bühnenshow und ihr neues Album “Unikuva” enthält auch einen sehr skurrilen Schreitango.

Bereits Finnlands Kultregisseur Aki Kaurismäki soll gesagt haben, der Tango ist der Blues der Finnen. Und die Finntangoband Bändi aus Frankfurt ist im wahrsten Sinne des Wortes die klangliche Entsprechung der Kaurismäki Filme. Melancholisch-heiter und mit viel schwarzem Humor entstauben und interpretieren Kristina Debelius (Gesang, E-piano), Tobias Frisch (Geige, Gesang, Kazoo), Thomas Salzmann (Schlagzeug, Perkussion), Volker Denkel (Gitarre), Johannes Kramer (Kontrabass) und Jazzvirtuose Martin Lejeune (pedal-steel guitar) gekonnt den finnischen Tango der 1930er- bis 1960er-Jahre auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Hin und wieder unterstützen zudem Gastmusiker wie, Andrea Emeritzy (Klarinette), Karina Schwarz (Gesang), Al Zanabili (Percussions) und Rozemariken Scheffers (Leier) das Finntango-Ensemble.

Den Zuschauer erwartet eine unterhaltsame Bühnenshow, bei der Tangoklänge mit Bossa Nova-, Rumba-, Polka-, Jazz- und Country-Elementen vermischt werden. Dabei reicht das vielseitige Repertoire von berühmten Tangosongs wie „Satumaa“ (Märchenland), „Täysikuu“ (Vollmond) oder „Yön Kuningata“ (Königin der Nacht) bis hin zu Tangoklassikern wie „Kohtalon Tango“ oder „Kotkan Ruusu“. Natürlich haben die Musiker auch einen Song aus Aki Kaurismäkis Kultfilm „Wolken ziehen vorüber“ im Repertoire, nämlich „Kuumat tuulet“ (Heiße Winde).  Im neuen Bühnenprogramm präsentieren BÄNDI auch den Schreitango “Gefährliche Lippen”. 

Bändis Debutalbum „Satumaa“ erschien 2007. 2011 wurde die Band für ihre frischen Tango-Interpretationen mit dem Creole-Weltmusikpreis Hessen geehrt. Ende Januar 2020 erscheint nun ihr neues Album „UNIKUVA“, das die Band bei einem CD-Release Konzert am 1. Februar 2020 in Karlsruhe präsentieren wird.

Mehr Informationen zur Band  und zur neue CD “Unikuva” unter www.bändi.de.


BÄNDIs Unikuva-Release-Konzert

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