Alles begann mit den Leningrad Cowboys – Eine Finnlandpassion und ihre schräge Geschichte

(FOTO: Eva Barth) Eva traf die schrägen Lenningrad Cowboys bei einem Konzert in Finnland.
(FOTO: Eva Barth) Eva traf die schrägen Lenningrad Cowboys bei einem Konzert in Finnland.

Schon oft habe ich gehört, dass die Liebe zu Finnland mit finnischer Musik begann. Auch Eva, unsere Gewinnerin des Finnlandstory-Preiswettbewerb hat das Finnlandfieber gepackt. Doch dieses Mal waren es nicht Ville Valo, seine Band HIM und Love Metal aus Finnland, sondern die Leningrad Cowboys, die das Finnlandvirus in ihr weckten. Ihr erinnert euch sicher noch an die schräge Truppe mit den Elvistollen und den Schnabelschuhen aus dem Aki Kaurismäki Film „Leningrad Cowboys Go America“. Und auch wenn es um die Band seit ein paar Jahren etwas still geworden ist: Eva hat die Jungs schon oft Backstage getroffen und verrät uns im Interview, ob die Jungs auch privat so schräg sind, wie auf der Bühne, im Film oder in ihren Musikvideos.

Schräge Frisuren, skurrile Schuhe, humorvolle Typen – Eva Barth erzählt über ihre Konzerterlebnisse mit den Leningrad Cowboys

Leningrad Cowboy Fan Eva Barth
(FOTO: Eva Barth) Eva Barth ist ein eingefleischter Leningrad Cowboys Fan und hat die Jungs bereits mehrfach backstage nach den Konzerten getroffen.

Finntastic: 
Terve Eva, cool, dass wir nun Zeit für ein Interview finden. Du hast damals beim Finnland Finnlandstory-Preiswettbewerb mitgemacht. Und Deine schräge Geschichte hat das Rennen gemacht!

Erzähl uns doch ein wenig mehr dazu, Wie hat Deine Liebe zu Finnland begonnen und was genau haben die Leningrad Cowboys damit zu tun?

Eva Barth:
Gerne! Das ist eine lustige Geschichte! *grinst*

Kennengelernt habe ich die Band 1994 in meiner Studienzeit in Köln. Eine Kommilitonin hat mich damals gefragt, ob ich Lust habe, mir den Film die „Total Balalaika Show“ von Aki Kaurismäki anzuschauen. Der lief damals im Kino. Das war ein Konzertmitschnitt über die Leningrad Cowboys und das Alexandrow-Ensemble, den damaligen Soldatenchor der Sowjetarmee, mit dem die Jungs eine Zeit lang aufgetreten sind.

Ich weiß noch, wir saßen beide im Kino und dachten: „Boah cool, was für eine Stimmung. Einfach klasse!“ Die „Total Balalaika Show“ fand übrigens 1993 auf dem Senatsplatz in Helsinki statt. Mitschnitte von diesem Konzert sind dann auch später in die Leningrad Cowboys-Doku von Kaurismäki eingeflossen. Auf der DVD zum Film, sind dann auch Interviews mit den Jungs. Der Kinofilm war allerdings ausschließlich der Konzertmitschnitt, wobei es leider nicht das komplette Konzert war.

Finntastic:
Und hast Du die Jungs auch schon live erlebt?

Eva:
Na klar! 1994 war ich dann kurz nach dem Film das erste Mal auf einem Live-Konzert der Jungs in Bonn und ein Jahr später in Köln. Damals war das übrigens sogar noch die Originalbesetzung. Zwischendurch habe ich die Musik dann ein wenig aus den Augen verloren. Aber als 2003 meine damalige Beziehung in die Brüche ging, saß ich eines Tages ganz deprimiert auf der Arbeit in meinem Büro und dachte: „Mensch ich hatte damals echt richtig Fun auf den Konzerten“.

Als ich das einem Kollegen erzählt habe, meinte er: „Dann schau doch mal, ob es die Band noch gibt!“ Und eine Minute später wusste ich: Hey die Leningrad Cowboys gibt es noch und die Jungs sind noch dazu gerade auf Tour!“ Ich glaube es war damals ihre zwanzigjährige Jubiläumstour. Mein Kollege grinste mich nur an und meinte: „Super! Dann viel Spaß!“ *lacht*

Ich habe mich dann im Freundes- und Bekanntenkreis umgehört, ob jemand Lust hat, mit auf ein Konzert zu kommen. Aber die meisten meinten nur: Oh nö, ist nicht so mein Musikgeschmack!“ Und dann dachte ich mir: „Okay, egal, dann geh ich halt allein hin! Hauptsache ich habe mal wieder so richtig Spaß!“ Und den hatte ich dann auch! *lacht*

Leningrad Cowboys Köln 2011
(FOTO: Eva Barth) Eva kann sich noch gut an eines ihrer ersten Live-Konzerte mit den Leninggrad Cowboys erinnern.

Finntastic:
Und wie ging es weiter?

Eva:
Im Grunde bin ich dann immer, wenn die Jungs gerade in meiner Nähe getourt sind, zum Konzert gegangen. Irgendwann kam mir der Gedanke: Es wäre echt mal cool Backstage zu kommen und die Jungs persönlich zutreffen. Denn bis dahin hatte sich das noch nicht ergeben. 2013 hat mich die Band dann wohl auf dem Dorstival das erste Mal registriert. Ich stand nämlich bei so gut wie allen Konzerten immer ganz vorne. Und ich würde sagen, ich bin echt kein Nullachtfünfzehn Typ. Bei einer Körpergröße von 1,80 Meter und meiner Statur falle ich schon ein wenig auf. *grinst*

Als ein anderer Fan dann später mit einem Ordner diskutierte, ob sie denn nicht mal Backstage kommen und die Band treffen kann, dachte ich mir: Interessant, da stellst du dich doch einfach einmal dazu und wartest ab, was passiert. Kurze Zeit später tauchte dann lustigerweise tatsächlich Ville Tuomi, der damalige Leadsänger der Band, auf und meinte zu mir: „It’s so nice to meet you!“ Dann schnappte er sich uns beide, grinst den Ordner breit an und meinte nur: „Ich nehme die beiden Mädels jetzt mal mit Backstage.“ Und so hatte ich nach dem Konzert dann vier der Bandmitglieder in meiner Facebook-Freundesliste. *lacht*

Nach und nach kamen weitere der Bandmitglieder hinzu. Seitdem war ich dann irgendwie immer in direktem Kontakt mit der Band. 2013 schrieb ich den Jungs schließlich: „Ich komme zu eurer “Red X-Mas Show”. Joa und dann war ich gleich an beiden Tagen auf der Show und am zweiten Abend natürlich auch wieder Backstage. Und seitdem wurde ich dann im Grunde, bis die Band 2015 aufhörte, live aufzutreten, zu fast jedem Konzert von der Band Backstage eingeladen und ich musste mit meinem Vip-Bändchen auch keinen Eintritt mehr zahlen. Das war eine echt coole Zeit!

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Pauli Hauta-Aho (rechts), Gitarrist von den Leningrad Cowboys und der Band “The Blanko” ist stark begeistert von Evas coolem T-Shirt!

Finntastic:
Und hast Du heute noch Kontakt zur Band?

Eva:
Ja, hin und wieder habe ich mit Okke Komulainen, dem Keyboarder der Band, Kontakt. Der ist ein echter netter Typ und zählt glaube ich auch zu den wenigen Mitgliedern der Band, die komplett mit Musik ihr Geld verdienen. Den habe ich auf meinen Finnlandreisen auch schon dreimal direkt in Tampere getroffen. Einmal hat er sich sogar extra für mich vier Stunden Zeit genommen und mir die Stadt gezeigt. Er hat mir damals auch erzählt, dass ihr Tourmanager, Mikko Hultman, in Helsinki das Restaurant Suvilahti TBA betreibt.

Und als ich 2018 und 2019 im Dezember in Helsinki war, habe ich dann selbstverständlich im Restaurant vorbeigeschaut. Der Tourmanager hat mich doch tatsächlich wiedererkannt und sich richtig über meinen Besuch gefreut. Im Gespräch meinte er damals: „Wenn die Jungs mal wieder auf Tour gehen, bist Du die erste, die es erfährt!“.

Finntastic:
Erzähl uns ein wenig mehr über die schräge Truppe. Wer sind die Jungs und wie wurden sie damals bekannt?

Eva:
Gerne! Die 1990er-Jahren waren im Grunde die Zeit, als die Band so richtig berühmt wurde. Begonnen hat alles im Grund mit dem Film „Leningrad Cowboys Go America“ von Kultregisseur Aki Kaurismäki. Schon zu Beginn haben die Jungs in Finnland große Konzerthallen gefüllt. Das lag sicher auch daran, dass die meisten Bandmitglieder im echten Leben Mitglieder der finnischen Punk-Rockband Sleepy Sleepers sind. Die gibt es bereits seit den 1970er-Jahren. Und die haben schon immer sehr viel Klamauk gemacht.

Aki Kaurismäki hat für den Film damals einfach einige der Bandmitglieder rekrutiert. Darin hat das Schräge auf jeden Fall seinen Ursprung. Als der Film dann so erfolgreich wurde, kamen die Jungs schließlich auf die Idee „Just for Fun“ als „Leningrad Cowboys“ ein paar Auftritte zu geben. Das Ganze hat dann im Grunde ein Eigenleben entwickelt.

Später haben sich dann lustigerweise sogar die Rollen vertauscht. So wurde aus der zunächst fiktiven Band im Film eine reale Band, für die Kaurismäki dann sogar zwei Musikvideos zu den Songs „Those Were the Days“ und „Thru the Wire” gedreht hat. Und als sie dann international berühmt wurden und 1993 zum ersten Mal mit dem russischen Chor in Helsinki aufgetreten sind, hat Aki Kaurismäki schließlich sogar eine Doku über die Jungs gedreht. 1994 ließ er sie dann im Nachfolge-Film „Leningrad Cowboys Meet Moses“ noch einmal als Protagonisten vor die Kamera. Das war alles schon irgendwie schräg.

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Leningrad Cowboys sind sind auf ihren Live-Konzerten genauso schräg drauf, wie in den Aki Kaurismäki-Filmen.

Finntastic:
Und was glaubst Du war ihr Erfolgsgeheimnis? Das Schräge und Skurrile?

Eva:
Na klar, dass spielte ganz sicher eine entscheidende Rolle. Vermutlich haben die aber auch einfach den Geist der Zeit getroffen. Damals Anfang der 1990er-Jahre, war die politische Situation ja noch ein wenig anders, als heute. Die Erinnerung an den kalten Krieg war in vielen Köpfen, noch viel präsenter. Das kann man sich ja heute gar nicht mehr so richtig vorstellen.

Und dass die Leningrad Cowboys damals dann mit dem russischen Chor- und Tanz-Ensemble der Sowjetarmee aufgetreten sind und mit denen gemeinsam das bereits erwähnte Open-Air Konzert „Total Balalaika Show“ im Jahr 1993 vor rund 70.000 Zuschauern auf dem Senatsplatz in Helsinki gegeben haben, das war zu dieser Zeit natürlich schon ein kleine Sensation und hat damals ordentlich für Furore gesorgt! *lacht*

Finntastic:
Und wann genau wurde die Band dann so richtig international bekannt?

Eva:
Nach dem Konzert in Helsinki sind die Leningrad Cowboys mit dem sowjetischen Chor auf große Tour außerhalb Finnlands gegangen. Und so wurden sie schließlich in Deutschland, Österreich und in der Schweiz berühmt, obwohl sie wohl in Deutschland die größte Fangemeinde hatten.

In den 1990er-Jahren kam dann der wirklich internationale Durchbruch. Vom amerikanischen Sender MTV wurden sie gemeinsam mit rund 70 Mitgliedern des Sowjet-Chors zu den Video Music Awards in die Radio City Music Hall nach New York eingeladen. Dort sind sie neben Weltstars wie Bruce Springsteen oder den Rolling Stones aufgetreten. Und sie haben dann gemeinsam mit dem russischen Chor auch in den USA Konzerte gegeben.

Jahre später sind die Jungs dann übrigens auch nochmal mit dem russischen Chor und der „Global Balalaika Show“ auf Welttournee gegangen. Das hat sie sicher noch einmal bekannter gemacht!

Finntastic:
Die Band spielt ja grundsätzlich viele Coverversionen bekannter Songs, Sie haben aber auch eigene Lieder geschrieben. Wie würdest Du ihren Musikstil allgemein beschreiben?

Eva:
Ja genau, grundsätzlich gehören vor allem Parodien beziehungsweise schräge Covers von bekannte Pop- und Rocksongs wie zum Beispiel „Sweet Home Alabama“, „Born to be wild“, „Kids in America“ oder „Back in the U.S.S.R“ zu ihrem Repertoire. Und „My Delilah“ und „Those were the days“ sind eigentlich immer die beiden letzten Songs vor der Zugabe. Sie haben aber auch viele eigene Songs geschrieben. Die 1990er-Jahre waren, so könnte man sagen, ein wenig ruhiger von der Musik her. Auch wenn ich mit ruhig jetzt nicht langweilig meine, denn bei der Band herrschte grundsätzlich immer Partystimmung! Die Jungs haben bislang bei jedem Konzert die Bude gerockt! *lacht* Aber irgendwie war die Musik am Anfang noch ein klein wenig ruhiger. Es gab eben viele Covers von bekannten Pop- und Rocksongs.

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Leningrad Cowboys rocken auch mit Blasinstrumenten wie hier mit Saxophon so richtig ab!

Finntastic:
Und wie hat sich ihr Musikstil dann über die Jahre verändert?

Eva:
Ich würde sagen: Ende der 1990er- oder besser gesagt Anfang der 2000 Jahre ging es dann so richtig los! Da hatten sie sozusagen eine Phase, wo sie sprichwörtlich alles durch den Metalwolf gedreht haben. Zum Beispiel haben sie eine Metalversion von „You’re my heart, you’re my Soul“ gemacht. Richtig schräg! Und in den letzten Jahren, wo sie sehr aktiv waren, also 2011 kam dann ihr Album „Buena Vodka Social Club“. raus. Das erinnerte so ein Bisschen an die Rock-Klassiker aus den 1980er-Jahren.

Auf dem Album haben sie dann auch wieder, verschiedene Stil-Mixe zusammengepackt, was im Grunde typisch für die Band ist. Ich finde, das hört sich immer total klasse an, wenn die Band nicht nur einfach so typische Pop- und Rockmusik-Instrumente wie Gitarre, Bass, Keyboard oder Schlagzeug dabei hat, sondern zum Beispiel auch Blasinstrumente wie Trompete oder Saxophon sowie weitere Instrumente wie Ukulele oder Akkordeon zum Einsatz kommen. Übrigens sind auch die Coverversionen nie eins zu eins nachgespielt, sondern die Band verleiht jedem Coversong immer ihre ganz eigene Note! Das finde ich super!

Finntastic:
Das heißt, die Musik ist live gespielt ganz anders, als wenn man sie auf CD oder im Radio hört?

Eva:
Genau! Um zu verstehen, was ich meine, musst Du die Jungs einfach live erlebt haben! Die Leningrad Cowboys sind definitiv keine Studio- bzw. Radioband, sondern eine richtig geniale Liveband. Alle beherrschen ihr Instrument perfekt! Die Konzerte sind einfach toll! Was die an Stimmung rüberbringen! Einfach genial! Die sind einfach schräg und haben noch dazu einen skurrilen Humor. Das ist, so denke ich, auch typisch Finnisch.

Bei uns gibt es ja im Grunde nur wenige deutsche Bands, die wirklich einmal mit einem großen Chor oder einem Orchester aufgetreten sind. Ich glaube diese Idee ist ein wenig nordisch. Samu Haber hat mit seiner Band Sunrise Avenue damals ja auch als einer der wenigen Musiker eine Konzerttour mit Orchester im deutschsprachigen Raum gemacht.

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Leningdrad Cowboys tourten bereits mit Orchester und dem Chor der Sowjetarmee.

Finntastic:
Und welcher Song der Jungs gefällt Dir am besten? Eher die Covers oder mehr die eigenen?

Eva:
Was ich sehr gerne höre, ist das Lied „Leningrad“ aus den 1990er-Jahren. Und ich mag auch besonders den Song Buena Vodka Social Club aus dem gleichnamigen Album von 2011, also die klassische Rockhymne, sag ich mal. Das Musikvideo dazu ist übrigens aus diversen Live-Mitschnitten zusammen gestellt. Von den Coverversionen gibt es viele, die mir richtig gut gefallen. Was auch immer der Knaller ist, wenn sie auf den Konzerten als letztes Lied vor der Zugabe „Those where the Days“ singen.

Das ist ein schräges und tanzbares Cover des Songs „Those where the days“, ursprünglich von Mary Hopkins aus dem Jahr 1968. Das ist immer richtig cool! Da gibt es übrigens ein richtig cooles Video von einem Konzert auf Youtube. Ich glaube es ist von einem Aufritt in Bochum von 2011. Das könnt ihr euch mal anschauen. Da sieht man, was die für eine coole Live-Performance aus dem Lied gemacht haben!

Finntastic:
Wie ich gesehen habe, gab es während der zwanzigjährigen Bandgeschichte auch immer wieder Umbesetzungen.

Eva:
Ja das stimmt. Von der ursprünglichen Besetzung sind bis zu ihrer vorübergehenden Bandpause in Jahr 2015 nur noch zwei Leute übrigen geblieben. Das sind der Gitarrist Sakari Järvenpää und der Pemo Ojala mit seiner Trompete. Aber viele, die ich so Backstage kennengelernt habe, die waren dann die letzten zehn bis zwölf Jahre mit dabei. Einige seit 2000, andere sind dann 2001 und 2010 dazugekommen. Also so ein wenig Wechsel gab es in der Bandgeschichte immer einmal.

Wer mir als Front- bzw- Leadsänger von der Stammbesetzung auch noch in Erinnerung geblieben ist, dass ist der Mato Valtonen. Und richtig bekannt war auch der Lead Sänger Tipe Johnsen, der auf Mato Valtonen folgte und dann später von Ville Tuomi abgelöst wurde. Der ist auch heute noch in der Heavy Metal Szene sehr bekannt. Und der letzte Leadsänger Ville Tuomi, der hat in diversen finnischen Metalbands gespielt, die Bekanntes hieß Suburban Tribe. Die haben sich allerdings 2011 aufgelöst. Ville war dann bis 2015 bei den Leningrad Cowboys mit dabei und bei Raskasta Joulua steht Ville ja noch immer als Mitglied der Leningrad Cowboys auf der Bühne. Rakasta Joulua ist übrigens eine coole Konzerttour, die jedes Jahr im Dezember in mehreren Städten in Finnland stattfindet und wo bekannte Weihnachtslieder in einer Metal- bzw. Rockvariante vorgetragen werden.

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Bei den Leningrad Cowboys geht auf jedem Live-Konzert die Post ab!

Finntastic:
Und weißt Du eigentlich, wie die Leningrad Cowboys zu ihrem schrägen Outfit, also der krassen Evlis-Tollen und den Schnabelschuhen kamen? Ist das einfach dem Film geschuldet, weil Aki Kaurismäki sich das damals für den Film ausgedacht hat?

Eva:
Was ich weiß ist, dass das Outfit, also diese Elvistollen und diese extrem spitzen Cowboystiefel, auf jeden Fall durch den Film entstanden sind. Es war zu Beginn einfach eine Art Parodie, ein bewusst gewählter Look, der einfach überzogen wirken sollte. Und als sie auf die Idee kamen, aus der fiktiven, eine echte Band zu machen, haben sie den Look einfach beibehalten.

Im Grund war das auch der perfekte Look der aus der Masse heraus sticht und für den sie dann schließlich auch bekannt wurden. Tatsächlich sieht man in Bezug auf das Outfit sogar einen kleinen Unterschied zu den ersten Jahren und später. Zu Beginn sind sie bewusst mit diesen bemalten Anzügen rumgelaufen, in späteren Jahren und auch mit Veröffentlichung des Albums Buena Vodka Social Club haben sie dann 2011 ein wenig das Outfit geändert.

Die Outfits hatten dann logischerweise passend zum Album-Thema einen mexikanischen angehaucht Touch, zum Beispiel mit goldenen Knöpfen an den Jacken und Hosen und diesen mexikanischen Bauchbinden. Elvis-Tolle und Stiefel waren natürlich weiterhin Kult.

Finntastic:
Du warst schon auf einigen Konzerten der Jungs. Du hast ja bereits von den Anfängen erzählt. Welches ist Dir denn noch besonders in Erinnerung geblieben?

Eva:
Zwei Konzerte sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Das war einmal 2015 in Geiselwind auf dem dreitägigen Motorrad-Autotreffen Bike & Music Weekend. Und dann einen Tag später das Konzert auf dem Rock of Ages Festival. Auf dem Autotreffen war die Stimmung ganz anders, als auf dem Festival. Auf dem Festival war ich natürlich wieder Backstage. Die Jungs grinsten mich damals an und meinten: „Na, war heute echt anders, als gestern Abend!“ Und ich meinte nur: „Joo!“ Auf diesem Motorradtreffen ist das Publikum eben nicht so mitgegangen.“ *lacht*

Und natürlich sind mir besonders auch die Konzerte in Finnland in Erinnerung geblieben. Zum Beispiel die zwei Tage wo ich 2013 auf der Red X-Mas Show in Helsinki war. Und dann das Konzert in Hämeenlinna auf dem Wanaja Festival. Das hat irre Spaß gemacht! Konzerte in Finnland zu erleben war für mich einfach noch spannender!

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Red-X-Mas Show 2013 in Helsinki war für Eva eines der coolsten Konzerte der Leningrad Cowboys.

Finntastic:
Und ist Dir trotzdem auch ein Konzert in Deutschland besonders in Erinnerung geblieben?

Eva:
Ja klar! Ich kann mich noch gut an ein Konzert in Hamburg erinnern. Ich stand damals natürlich wieder in der ersten Reihe. Und zwar gibt es bei dem Song „Those where the Days“ so eine Textzeile, wo sich die Frau in dem dazugehörigen Musikvideo sozusagen im Spiegel sieht und singt „Was this lonely Woman really me“?

Und bei der Textzeile hat Ville, der Leadsänger, damals seine Brille hoch genommen, guckt mich an und singt: „Was that lonely Woman really you?“ Ich fang an zu lachen, zucke mit den Schultern. Und was macht der verrückte Kerl: Kniet sich auf der Bühne hin, beugt sich zu mir runter knutscht mich auf die Wange. Und ich denke nur: „Ups, mach mit der Show weiter Du Spinner!“ *lacht*

Nach dem Konzert war ich dann auch Backstage und bin mit Okke, dem Keyboarder und einem Teil der Band nach dem Konzert noch ein Bierchen trinken gegangen. Das war übrigens auch das erste Mal, wo ich mich länger mit den anderen Jungs unterhalten habe. Das ist mir echt in Erinnerung geblieben: Zum einen, weil ich ja sozusagen an dem Tag zu einem Teil der Show geworden bin. Und zum anderen, weil ich an diesem Tag alle Bandmitglieder kennengelernt habe. Seitdem gehörte ich dann auch quasi wie zur Familie. *lacht*

Finntastic:
Das heißt die Jungs sind also Backstage genauso verrückt, wie live auf der Bühne?

Eva:
Sie sind auf jeden Fall genauso lustig wie auf der Bühne. Und wer jetzt denkt, dass die Jungs wahrscheinlich so ein richtiges Rocker-Lotterleben führen, der irrt sich gewaltig! Wenn man die Jungs persönlich trifft, sind die ganz normal. Und die Jungs haben natürlich alle auch ganz unterschiedliche Charaktere.

Der Ville, der Sänger, ist zum Beispiel im positiven Sinne ganz schön schräg und verrückt. Und Okke, der Keyboarder, ist auch ein lieber, netter Kerl. Und klar, auf der Bühne machen sie so richtig Party. Aber du kannst dich auch ganz normal und gut mit ihnen unterhalten. Sie haben eben auf der Bühne eine Menge Spaß und sind natürlich auch Backstage ne lustige Truppe. Ich würde sagen: liebenswert nett und verrückt, und das im Grunde alles auf einmal, trifft es ganz gut! *lacht*

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Leningrad Cowboys Gitarrist Pauli Hauta-Aho sorgt ordentlich für Stimmung auf der Red-X-Mas Show 2013 in Helsinki.

Finntastic:
Über die Jungs gibt es auch mehrere Filme. Welcher gefällt Dir persönlich am besten?

Eva:
Ja genau, es gibt neben dem Film „Leningrad Cowboys Go America“ zum Beispiel auch den Film „Leningrad Cowboys meet Moses. Ich muss allerdings zu meiner Schande gestehen, dass ich mir den gar nicht angeschaut habe. *lacht* Aber „Leningrad Cowboys Go America“ ist definitiv ein richtig genialer Film. Irgendwie so richtig typisch Aki Kaurismäki: schräg und skurril, typisch Finnisch eben!

Finntastic:
Derzeit ist es ein wenig still um die Band geworden. Wie kommt das?

Eva:
Soweit mir aus den Medien bekannt ist, hatte Sakari Järvenpää, der ja eigentlich der Kopf der Band ist, ein paar Probleme gehabt, weshalb es dann wohl nach 2015 ein wenig ruhig um die Band wurde. Aus Pietätsgründen habe ich da bei den Jungs aber nie so direkt nachgefragt. Aber Okke meinte vor einiger Zeit im Gespräch, dass es vielleicht bald für die Band wieder losgeht.

Ich glaube einige der Jungs vermissen das Touren und vor allem die Live-Konzerte. Seit 2018 arbeiten die Jungs wohl auch schon an neuen Songs. Vielleicht haben wir ja Glück und hören bald wieder musikalisch von ihnen. Ich würde mich jedenfalls riesig freuen, mal wieder ein cooles Live-Konzert besuchen zu können!

Finntastic:
Und dass sie mit dem sowjetischen Chor jetzt nicht mehr auftreten, lag das jetzt an diesem schrecklichen Flugzeugabsturz, bei dem damals 64 Mitglieder, also ein großer Teil des Chores ums Leben kam. 

Eva:
Der Flugzeugabsturz war 2016 und damit im Endeffekt bereits nach 2015, also nach der Zeit wo die Band überhaupt das letzte Mal live aufgetreten ist. Ich denke daher, der Absturz hatte damit nichts zu tun. Der Absturz war für die Bandmitglieder aber dennoch ein großer Schock. Das hat man auch auf der Bandwebsite und in den Social Media gesehen. Da hatten sie damals auch ihrer Trauer Ausdruck verliehen und ihr Beileid an die Angehörigen und Familien der verunglückten Ensemble-Mitglieder kundgetan.

Als ich das damals mitbekommen habe, habe ich auch ziemlich geschluckt, weil ich den Chor eben damals auf der Red X-Mas Show in Helsinki live gesehen habe. Und Backstage sind damals auch ein paar Mitglieder des Chors an mir vorbei gelaufen. Ich habe zwar keinen von ihnen persönlich getroffen. Aber ich habe damals dem Dirigenten die Hand geschüttelt. Wenn Du so einen tollen Chor einmal live erlebt hast und dann so eine schlimme Nachricht erhältst, da wird dir wirklich ganz anders…

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Leningrad Cowboys sind immer für eine Überraschung gut. Eva hofft, dass sie bald mal wieder auf Tour kommen!

Finntastic:
Das kann ich gut verstehen. Jetzt kommen wir noch ein wenig zu Dir. Was gefällt Dir sonst an Finnland und magst Du ein wenig über Deine Finnlandreisen erzählen?

Eva:
Gerne! Also meinen ersten Kontakt mit Finnland hatte ich wie gesagt über die Leningrad Cowboys, als ich damals zu der Red X-Mas Show nach Helsinki geflogen bin. Ich war damals für vier Tage in Helsinki. Und Helsinki ist, dass muss man dazu sagen, ja auch ein wenig anders, als der Rest von Finnland. Aber mir hat es dort sofort richtig gut gefallen. Als ich damals so durch die Stadt gelaufen bin, dachte ich mir: „Wow, super schöne Stadt!“ Und ich hatte auch ganz viele tolle Begegnungen mit Einheimischen. Mit vielen bin ich einfach so ganz nett ins Gespräch gekommen. Und von da an war mir klar: Ich komme ganz sicher wieder!

Kuopio Kauppahalli
(FOTO: Eva Barth) Eva liebt Finnlands Hauptstadt, aber auch Kuopio hat ihr gut gefallen. Hier im Bild die alte Markhalle der Stadt.

Finntastic:
Und was genau gefällt Dir an der finnischen Mentalität?

Eva:
Ich persönlich habe bislang auf meinen Finnlandreisen wirklich sehr viel liebe, offene und herzliche Menschen getroffen. Menschen, die keinen höflichen Smalltalk machen, sondern wirklich etwas über Dich wissen wollen, wenn sie dich fragen, woher du kommst. Das gefällt mir. Das habe ich auch damals 2015 erlebt, als ich eine Bootstour vor Helsinki gemacht habe. Natürlich macht es einen Unterschied, ob du als Tourist hinkommst, oder ob du wirklich dort lebst. Das ist mir schon klar. Es ist natürlich auch nicht alles eitler Sonnenschein. Aber die Finnen sind wirklich sehr gastfreundlich und auch hilfsbereit.

Deshalb übernachte ich auch immer gerne über Airbnb. Die einzige Ausnahme war allerdings letztes Jahr im Dezember als ich in Kuopio war. Da war das Hotel einfach günstiger. Ich finde das über Airbnb einfach besser, weil du so auch direkt Kontakt zu den Einheimischen bekommst und damit auch einen viel authentischeren Einblick in die Stadt erhältst, in der du dich befindest und damit auch in die finnische Kultur.

Finntastic:
Und haben sich so auch schon gute Freundschaften ergeben?

Eva:
Ja, Freundschaften und auch echt tolle Bekanntschaften, wo man seitdem gerne den Kontakt hält. Letztes Jahr im September war ich zum Beispiel für eine Woche in Tampere. Meine Vermieterin war eine echt nette, ältere Dame. Sie war einfach so herzlich, da habe ich sie im Dezember, als ich nochmal da war, gleich nochmal besucht. Bislang habe ich echt nur Positives erlebt. Kurz gesagt, die Finnen haben einfach das Herz am rechten Fleck. Das gilt übrigens auch für die Jungs von den Leningrad Cowboys.

Tampere Tammerkoski
(FOTO: Eva Barth) Auch in Tampere, der dritt größten Stadt Finnlands gibt es viel zu entdecken.

Finntastic:
Was gefällt Dir an Helsinki? Und hast Du einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Eva:
Was mir an Helsinki so richtig gut gefällt: Du bist mitten in der Stadt und dann setzt Du Dich einfach in die Tram oder in den Bus und an der Endstation bist Du bereits mitten in der Natur! Das ist echt faszinierend: sei es Arabianranta oder Seurasaari. Oder Du machst mit einem kleinen Boot Inselhopping vor der Küste. Pihlajasaari ist auch schön und Krununvuorenranta und zwar der Teil, wo die alten, verlassenen Holzvillen stehen. Oder Vanha Kaupunki, wo dieser Wasserfall ist. Du bist einfach schnell mitten im Grünen, guckst aufs Meer und in der Ferne siehst Du dann die Silhouette der Helsinkier City mit dem Dom. Vor der Küste in Tampere oder Turku ist es übrigens ähnlich schön.

Wo ich bei jedem Helsinkiaufenthalt immer gerne vorbeischaue ist das Café Ursula, beim Kaivopuisto. Du kannst da im Sommer einfach richtig toll in der Sonne sitzen und hast noch dazu einen herrlichen Blick aufs Meer! Dort treffe ich mich auch immer gerne mit einem guten Freund, über den ich übrigens zu Rakasta Joulua gekommen bin. An dieser Stelle einen schönen Gruß an Peter aus München 😉

Und dann habe ich im letzten Jahr das Café Regatta beim Sibelius Monument für mich entdeckt. Was für mich bei jedem Helsinkitrip außerdem Pflichtprogramm ist, ist natürlich ein wenig Shopping auf der Alexanderinkatu und ein Besuch im Dom am Senatsplatz. Und dann habe ich so ein kleines Ritual: Ich zünde bei jedem Helsinkibesuch immer eine Kerze in der Uspenski Kathedrale an.

Uspenski Kathedrale
(FOTO: Eva Barth) Ein Besuch der orthodoxen Uspenski Kathedrale darf bei keinem von Evas Helsinkireisen fehlen!

Finntastic:
Und hast Du noch weitere Finnlanderinnerungen, die Du nicht missen möchtest?

Eva:
Aber klar! Die Tour mit der Runeberg, diesem alten Dampfschiff,vom Hafen in Helsinki nach Porvoo hat richtig viel Spaß gemacht. Du schipperst einfach an der Küste entlang und kannst dir dann hinterher die historischen Holzhäuser und die vielen kleinen Ateliers und Läden in Porvoo ansehen. Neben Helsinki war ich im letzten Jahr zudem für zwei Tage in Kuopio. Die haben dort ein wirklich tolles Freilichtmuseum. Das ist ein wenig ähnlich, wie das auf Seurasaari in Helsinki.

Runeberg Schiff
(FOTO: Finntastic) Eine Fahrt mit dem historischen Dampfschiff “Runeberg” von Helsinki nach Porvoo ist ein echtes Abenteuer.

Und in Tampere solltet ihr unbedingt das Amurimuseum anschauen. Das sind auch vollständig erhaltene Holzhäuser, wo ihr hautnah mitbekommt, wie die Menschen damals dort gelebt haben. Das fand ich total spannend. Einen gut erhaltenen Altstadtteil gibt es übrigens auch in Turku. Leider habe ich davon nicht so viel sehen könnten, weil ich an dem Tag erst kurz vor Schließung da war. Aber es war trotzdem sehr interessant!

Ihr kennt sicher den Film „The Girls King“ von Mika Kaurismäki, dem Bruder von Kultregisseur Aki Kaurismäki. 2015 habe ich mir die Burg von Turku angeschaut. Damals gab es dort eine Sonderausstellung mit den Requisiten des Films. Denn der Film ist nämlich zum Teil dort in der Turun Linna, in der alten Burg von Turku, gedreht. Im Film gibt es aber auch eine Szene, die in diesem alten Museumsviertel von Turku gedreht ist. Als ich den Film gesehen habe, habe ich die Ort wiedererkannt. Sowas finde ich immer spannend, wenn man Orte in Filmen wiedererkennt, an denen man selbst schon gewesen ist!

Turun Linna
(FOTO: Finntastic) In der mittelalterlischen Burg von Turku wurden Szenen aus dem Mika Kaurismäki Film “The Girls King” gedreht.

Finntastic:
Und gibt es noch etwas in Finnland, dass Du Dir unbedingt ansehen möchtest?

Eva:
Es gibt auf jeden Fall noch ein paar Orte in Finnland, die ich besuchen möchte. Ich möchte auf jeden Fall einmal Richtung Lappland reisen. Ich träume aber auch von einer Reise die finnische Ostküste hinauf, um mir zum Beispiel Rauma anzuschauen. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe. Was an Rauma so toll ist: Es gibt dort eine komplett erhaltene Altstadt und das in Kombination mit so schönem, altem Kopfsteinpflaster. Und Kokkola an der Westküste von Finnland soll auch eine ganz tolle Altstadt haben.

Finntastic:
Und hast Du schon Pläne für einen nächste Finnlandreise nach der Krise?

Eva:
Eigentlich wollte ich diesen Sommer wieder eine schöne Reise nach Finnland machen. Aber leider sind da ein paar Tierarztkosten für mein Pferd dazwischengekommen. Aber die Gesundheit meines Tieres ist mir erst einmal wichtiger. Und man weiß derzeit ja auch noch gar nicht, wann es mit dem Reisen wieder möglich ist. Falls es geht, mache ich vielleicht im Dezember noch einen kleinen Städtetrip nach Finnland. Mal schauen.

Speicherhäuser Porvoo
(FOTO: Eva Barth) Ein Besuch in Porvoo lohnt sich genauso, wie der Besuch der Altstadt von Rauma oder Kokkola.

Finntastic:
Und hast Du neben den Leningrad Cowboys noch ein schräges Finnlanderlebnis? Oder ist das echt so das schrägst, dass es nichts mehr toppen kann?

Eva:
Ich glaube, was Schrägeres als die Leningrad Cowboys gibt es in Finnland fast gar nicht! * lacht* Okay doch es gibt noch diese ganzen schrägen Wettbewerbe wie Handy-Weitwurf, die Luftgitarren-WM in Oulu, die WM im Frauentragen oder Schlammfußball. Die Finnen machen da echt viele bekloppte Sachen. Das würde ich natürlich gerne einmal live miterleben!

Was ich auch richtig schräg finde, ist wie gesagt Rakasta Joulua, also die Weihnachtslieder im Heavy Metal-style. Da war ich 2018 in Tampere und im letzten Jahr in Kuopio mit dabei sowie 2017, 2018, 2019 jeweils in Helsinki. Aber ich glaube die Live-Konzerte der Leningrad Cowboys toppen das alles noch einmal! *lacht*

Finntastic:
Weihnachtslieder im Heavy-Metal-Style das klingt definitiv auch richtig skurril? Magst Du uns dazu noch kurz etwas erzählen?

Eva:
Na klar! Das musst Du echt erlebt haben. Diese Weihnachtskonzerte sind wirklich komplett anderes, als unsere deutschen Weihnachtskonzerte! Und Heavy Metal heißt jetzt übrigens nicht, dass das nur Gekreische ist. Im Gegenteil, das ist schon alles sehr melodisch und hört sich einfach toll an.

Übrigens macht es einen Unterschied, ob Du ein Rakasta Joulua Konzert in der Helsinkier Hartwall Areena hörst oder eher in einer kleineren Location wie ich in Tampere und Kuopio. Die Stimmung ist dann noch etwas anders, ich würde sagen mehr finnisch. Da dauerte es dann schon eine ganze Weile, bis da jemand zur Musik mitgetanzt hat. *lacht*

Rakasta Joulua
(FOTO: Eva Barth) Weihnachtslieder im Heavy Metal Stil, das gibt es nur bei “Rakasta Joulua”.

Finntastic:
Und hast Du neben Rakasta Joulua noch weitere finnische Musiker, Bands und Ensembles, die Du gerne hörst?

Eva:
Was ich auch cool finde, ist die Band „The Ghost of Bruce Springsteen”, die habe ich im September 2018 auch schon live in Tampere gesehen. Und wen ich vor kurzem dummerweise verpasst habe sind „The Blanko“. Die sollen auch echt gut sein. Das ist übrigens die Band von Pauli hauta-Aho, einem der Gitarristen von den Leningrad Cowboys. Und bei „The Ghost of Bruce Springsteen“ spielt einer der Keyboarder von den Leningrad Cowboys mit.

Nightwish finde ich auch klasse, ich hoffe, es klappt mit dem Konzert im November, und Haloo Helsinki ist auch nicht schlecht, die habe ich damals wie auch die Leningrad Cowboys, auf dem Wanaja Festival 2015 in Hämeenlinna live gesehen.

Finntastic:
Und wie schaut es bei Dir mit dem Finnisch lernen aus? Hast Du Dich bereits herangetraut?

Eva:
*lacht* Naja, ich versuche mich auf jeden Fall im Finnisch lernen und besuche auch, so oft mir das möglich ist, einen Finnischkurs. Leider hatte ich in der letzten Zeit so viel um die Ohren, dass ich nicht zu jeder Unterrichtsstunde gehen konnte. Deshalb befinde ich mich natürlich noch immer auf Anfänger-Level. Mir fällt es aber auch unheimlich schwer, mir die Wörter zu merken. *lacht*

Deshalb bin ich immer ganz stolz, wenn ich mich bei einer Helsinkireise zumindest auf Finnisch mit Okke, dem Keyboarder von den Leningrad Cowboys, verabreden kann. Und ihn zum Beispiel fragen kann, wann er Zeit hat und wo wir uns treffen. *lacht* Und natürlich bestelle ich in einem Café oder Restaurantbesuch mein Menu immer auf Finnisch. Meist denke ich dann allerdings: „Hoffentlich stellen die mir jetzt nicht zu viele Rückfragen, die ich dann nicht verstehe!“ *lacht* Aber im Grunde musst Du ja gar nicht alles verstehen.  

Arabianranta 2
(FOTO: Eva Barth) Beim Spaziergang entlang des Arabianrantas entdeckt: Mystische Muminsymbole! Ob hier wohl irgendwo der Eingang zum Mumintal versteckt ist?

Ich fliege zum Beispiel immer stilecht mit Finnair und bestelle mir natürlich auf jedem Flug immer meinen Blaubeersaft und meinen Kaffee auf Finnisch. Letztes schaute mich mein Sitznachbar, der wohl waschechter Finne war, danach von der Seite an und meinte anerkennend: „Perfect Pronounciation“. Da war ich dann schon ein wenig stolz und habe gemerkt, ein Bisschen kommt doch schon!

Und wenn ich für ein paar Monate im Land leben würde, dann würde das bei mir sicher auch viel schneller gehen. Ich sehe es deshalb recht sportlich und gemäß dem finnischen Sisu: Selbst, wenn ich noch zehn oder fünfzehn Jahre brauche, um mit der Sprache eine einfache Unterhaltung führen zu können, dann ist das halt so.“ *lacht*

Finntastic:
Vielen lieben Dank Eva für das tolle Interview und die vielen Infos zur Band! Dann bin ich mal gespannt, ob die Leningrad Cowboys bald mal neue Musik herrausbringen und wieder auf Tour gehen.

Eva:
Ja gerne! Du bist auf jeden Fall die erste, die erfährt, wenn es soweit ist! So ein Live-Konzert solltest Du Dir dann nicht entgehen lassen!


Über die Leningrad Cowboys

Leningrad Cowboys
(FOTO: Eva Barth) Die Leningrad Cowboys wurden durch die Filme von Aki Kaurismäki zum Leben erweckt!

Ursprünglich waren die Leninggrad Cowboys eine fiktive Band in Aki Kaurismäkis Film „Leningrad Cowboys Go America (1989). Der finnische Kultregisseur rekrutierte dafür damals viele der Mitglieder der recht bekannten, finnischen Punkrockband „Sleep Sleepers“, die seit den 1970er-Jahren in Finnland bekannt ist. Nach dem internationalen Erfolg des Films entwickelt die „fiktive“ Band schließlich ein Eigenleben. Aus der fiktiven Band wurde eine echte, die schließlich sogar auf Tour ging und eigene Songs herausbrachte. Mittlerweile sind 16 Alben erschienen. Kultregisseur Aki Kaurismäki dreht schließlich für die Band sogar zwei Musikvideos zu den Songs „Thru the Wire“ (1992) und „Those where the Days“ (1993). Und im Nachfolgefilm „Leningrad Cowboys meets Moses“ (1994) spielten die Musiker natürlich wieder die Hauptrolle.

Ein schräger Mix aus bekannten Rock- und Popcovers sowie russischen Volksliedern

Markenzeichen der schrägen Finnen sind eine bunte und skurrile Mischung aus Covers bekannter Rock- und Popsongs (z.B. Sweet Home Alabama), russischer Volkslieder sowie schräger Eigenkompositionen. Die Band liebt es zudem Klischees über die Sowjetunion aufzugreifen. Neben gängigen Band-Instrumenten wie Schlagzeug, Gitarre oder Bass kommen auch für Pop- und Rockmusik eher unkonventionelle Instrumente zum Einsatz, wie Geige, Ukulele, Akkordeon, Klarinette oder Blasinstrumente.

Leningrad Cowboys
(Eva Barth) Gemeinsam mit dem Chor der Sowjetarmee wurden die Leningrad Cowboys international bekannt.

Gemeinsame Auftritte mit dem Chor der Sowjetarmee machten die Jungs berühmt

Am 12. Juni 1993 fand auf dem Senatsplatz in Helsinki vor rund 70.000 Zuschauern die „Total Balalaika Show“, ein riesiges Open-Air Konzert, zusammen mit dem Alexandrow Ensemble, dem Chor der sowjetischen Armee statt. Filmausschnitte dieses Konzertes flossen damals in den Film „Total Balalaika Show“ von Aki Kaurismäki ein, der seinen Weg in die Kinos fand sowie in eine spätere Doku über die Band. Nach dem Konzert in Helsinki erfolgte schließlich sogar eine Einladung in die USA zu den MTV Music Video Award Shows, wo die Band neben Weltstars wie Tom Petty, den Rolling Stones oder Bruce Springsteen vor rund 250.000 Zuschauern in der Radio City Music Hall in New York auftrat.

Später wurde die ursprünglich nur für den einen Auftritt auf dem Helsinkier Senatsplatz konzipierte Tour mit Unterstützung finnischer Unternehmen sogar auf große Welttournee gebracht. Gemeinsame Kompositionen der Leningrad Cowboys mit dem Sowjetchor waren zum Beispiel ein Led Zeppelin-Cover von „Stairway to heaven“ oder ein Beatles-Cover von „Yellow Submarin“, was die Band international bekannt machte.

Nach der Jubiläumstour „Global Balalaika Tour“ wurde es 2016 still um die schrägen Finnen. Gemunkelt wird, dass die Band an neuen Songs schreibt und vielleicht irgendwann einmal damit wieder auf Tour wird. Lassen wir uns überraschen!

Mehr über die Band erfahrt ihr auf dem offiziellen Leningrad Cowboys Facebook Profil.  


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