Urväter der finnischen Schriftsprache: Agricola und Lönnrot

(FOTO: Finntastic) Der weiße Dom ist das Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt Helsinki
(FOTO: Finntastic) Der weiße Dom ist das Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt Helsinki

Wusstest Du schon, heute am 9. April feiert Finnland den Mikael Agricola Tag und den Tag der finnischen Sprache („Suomen kielen päivä“). Der Tag wird anlässlich des Todestages des finnischen Reformators Mikael Agricola und des Geburtstages des finnischen Schriftstellers Elias Lönnrot begangen. 

Hierzu wird vielerorts, beispielsweise an öffentlichen Gebäuden, aber auch an privaten Häuserfassaden, die Finnische Flagge gehisst. Denn seit 1980 gehört auch dieser Nationalfeiertag zu den traditionellen Beflaggungstagen.

Der gelehrte Theologe und Humanist Mikael Agricola gilt als Vater delr finnischen Literatursprache (“Suomen kirjakielen isä”). Sein Geburtsdatum ist nicht genau bekannt, deshalb wählte man für den Gedenktag das Sterbedatum. Geboren wurde er aber vermutlich um 1510 in Torsby, einem Dorf in Südfinnland. Agricola wuchs zweisprachig (finnisch und schwedisch) in ländlicher Gegend auf. Sein Vater besaß einen Bauernhof, was den Nachnamen Agricola (lateinisch für Landwirt) erklärt. Agricola studierte Theologie und Sprachwissenschaften u.a. an der Universität in Wittenberg (heute Universität Halle-Wittenberg), war Schüler Luthers und später Bischof von Turku (1554 -1557).

Agricola erschuf die finnische Schriftsprache

Er gilt als Reformator Finnlands, denn er war es, der das Neue Testament ins Finnische übersetzte und gleichzeitig die Grundlage für die Finnische Schriftsprache setzte. Denn bis zum Druck des Neuen Testaments in finnischer Sprache im Jahr 1548 existierte keine einheitliche finnische Schriftsprache. Auch gab es kaum überlieferte finnische Schriften, hingegen aber zahlreiche Dialekte, die alle ihren eigenen Wortschatz besaßen.

Für die Übersetzung des Neuen Testaments musste Agricola daher eine einheitliche Schriftsprache entwickeln. Hier stützte er sich vor allem auf den Turkuer Dialekt sowie auf andere Dialekte Südwestfinnlands. Die finnische Übersetzung besitzt aber auch Einflüsse aus anderen Sprachen wie dem Schwedischen, Lateinischen und Deutschen. 1557 wurde Agricola vom schwedischen König Gustav Wasa mit einer Delegation nach Moskau gesandt. Er schaffte es, in Grenzstreitigkeiten zwischen Schweden und Russland erfolgreich zu vermitteln. Jedoch wurde er auf der Rückreise schwer krank und starb noch auf dem Weg nach Hause mit nur 47 Jahren.

Lönnrot und das Kalevala

Am 9. April feiern die Finnen außerdem den Geburtstag des finnischen Schriftstellers Elias Lönnrot. Er sammelte auf seinen Reisen durch Finnland und Ostkarelien mündlich überlieferte, finnische Volksdichtungen und schuf so das heute bekannte Nationalepos der Finnen, das “Kalevala”. Durch sein Werk legte er den Grundstein für die finnischsprachige Literatur und die Entwicklung einer finnischen Identität. Er gilt nach Agricola als zweiter Vater der finnischen Schriftsprache.

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