Kymenlaakso und Kouvola: Kulinarische Geheimtipps abseits der Touristenpfade

(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Region Kymenlaakso und die Stadt Kouvola sind wirklich eine Reise wert!
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Region Kymenlaakso und die Stadt Kouvola sind wirklich eine Reise wert!

*(Werbekooperation) Es gibt Orte, die einen sofort verzaubern. Die Region Kymenlaakso und die Stadt Kouvola 130 Kilometer nordöstlich von Helsinki gehören dazu. Nur eineinhalb Stunden mit dem Auto oder Zug von Helsinki entfernt, vereinen Stadt und Region, alles was Finnland so besonders macht: unberührte Natur,  eine lebendige Kulturszene und eine spannende Industriegeschichte. Doch Kouvola ist auch ein echter Geheimtipp für Feinschmecker: Als Zentrum der Lebensmittelproduktion lädt die Stadt zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Gemeinsam mit Betty vom Reiseblog bettysvacation.com starten wir hier unser Food-Abenteuer durch Finnland, bevor es weiter nach Nordkarelien geht. 

Ankunft am Käyrälampi – Die Magie der weißen Nächte

Mit Finnair fliegen wir von Berlin nach Helsinki, von wo wir mit dem Mietwagen nach Kouvola aufbrechen. Kaum haben wir die Stadtgrenzen Helsinkis hinter uns gelassen, öffnet sich uns eine Landschaft, die uns buchstäblich den Atem raubt: endlose Wälder, tiefblaue Seen und Lupinenfelder in zarten Lila- und Rosatönen rauschen wie in einer faszinierenden Naturdokumentation an uns vorbei. Als wir nach rund eineinhalb Stunden abends in Kouvola ankommen, steht die Sonne noch hoch am Himmel. Finnlands „Valoiset Yöt“, die hellen Sommernächte, empfangen uns und tauchen die Landschaft in ein magisch-goldenes Licht. 

Die nächsten zwei Nächte verbringen wir hier in einem gemütlichen, finnischen Sommerhäuschen im Tykkimäki-Resort, direkt am Ufer des Käyrälampi-Sees, nur wenige Autominuten vom Stadtzentrum von Kouvola entfernt. Die klare Luft und das funkelnde Wasser laden zum Entspannen ein. Es duftet nach nasser Erde, Moos und Kiefernnadeln. Unser Mökki, so nennen die Finnen ihr Sommerhaus, von denen es in Kymenlaakso rund 7.000 geben soll, ist sehr komfortabel eingerichtet:

Es gibt eine Terrasse mit Seeblick und Jacuzzi, ein Bad mit Sauna, eine moderne Küche, mehrere Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit Kamin, dessen große Panoramafenster den Blick auf den tiefblauen See freigeben. Wer es lieber spartanischer mag, kann im Resort und auf dem Campingplatz auch in rustikalen Hütten übernachten mit Nutzung der Gemeinschaftsanlagen und -saunen oder im Glampingzelt mit Trockentoilette. Mit dem eigenen Camper ist die Anreise selbstverständlich ebenfalls möglich. Praktisch ist auch, dass auf dem Gelände eine Ladestation für E-Autos bereitsteht.

Ein kulinarischer Willkommensgruß und das Geheimnis der Sauna

Auf dem Tisch erwartet uns ein Korb voller finnischer Leckereien, darunter auch Produkte der Produzenten, die wir in den nächsten Tagen besuchen werden. Ein herzlicher Willkommensgruß von Päivi Karhunen und Noora Juvonen von Kouvola Innovation, die uns in den nächsten Tagen die Umgebung zeigen und uns zu den verschiedenen Produzenten begleiten werden.

Der Präsentkorb fängt Finnlands kulinarische Seele perfekt ein: duftender, finnischer Kaffee aus Kouvola, süße und salzige Lakritze, fruchtige Beerensäfte und Moltebeermarmelade, die nach finnischen Wäldern schmecken und Kermajuusto, ein laktosefreier Kuhmilchkäse aus der Region, der perfekt zum finnischen Roggenbrot passt. Päivi verrät uns später, dass die Region auch für eine Art traditionelles Rauchfleisch und für Black-Oats-Frühstücksporridge und weitere Produkte aus Schwarzhafer bekannt ist. Kein Wunder, denn die Region zählt auch zu den führenden Regionen Finnlands im Getreideanbau. Mit 104 Biobetrieben ist die Region außerdem führend im ökologischen Landbau in Finnland. Wir können es kaum erwarten, noch mehr von Kouvolas kulinarischen Schätzen zu entdecken!

Food-Korb voller finnischer Leckereien
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Bei unserer Ankunft wartete diese erste kulinarische Überraschung auf uns!

Während unsere Sauna langsam auf 80 Grad hochheizt, sitzen wir später im Wohnzimmer und genießen die Stille. Nur das leise Rauschen des Windes in den Birken und Kiefern ist zu hören. Und dann zeigt sich auch noch ein atemberaubender Sonnenuntergang! Der Himmel gleicht einem Feuermeer aus Gelb, Orange, Rosa bis hin zu Violett, als wolle die Natur uns noch einmal persönlich willkommen heißen. Dann geht es zum Entspannen ab in die Sauna. Die anschließende Abkühlung im See bringt den Kreislauf in Schwung, schenkt  neue Energie und ist der ideale Ausklang für unseren ersten Abend im Land der tausend Seen.

Sonnenuntergang am Käyrälampi
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Natur begrüßt uns mit einem wundervollen Sonnenuntergang.

Natur pur: Repovesi-Nationalpark, Kymijoki und Arboretum Mustila

Kärälampin Ulkoreitti
(FOTO: Visit Kouvola, LauriArpo) Die Landschaft von Kymenlaakso und der Repovesi-Nationalparkt sind ideal zum Wandern.

Und gerade weil Kymenlaakso ein Naturparadies ist, bietet die Region auch Aktivurlaubern beste Bedingungen, wie wir am nächsten Morgen von Päivi erfahren. Der Repovesi-Nationalpark, nördlich von Kouvola, ist beispielsweise im Sommer ein beliebtes Wander- und Kletterziel. Das Arboretum Mustila, nur 25 Kilometer südlich von Kouvola entfernt, verwandelt sich im Juni in ein blühendes Rhododendren-Meer, und im September entfaltet die Ruska-Aika ihre Farbenpracht in Kymenlaakso. Die Seenlandschaft und der Kymijoki-Fluss laden außerdem, zum Paddeln, Baden und Angeln ein. Wer Abenteuer sucht, kann auf dem Kymijoki auch geführte Packrafting- oder Kanutouren buchen. Für Familien ist im Sommer der Tykkimäki Freizeitpark und der Tykkimäki Aquapark ein echtes Highlight und Saunafans kommen in der Tykkimäki Sauna voll auf ihre Kosten.

Virtakiven Sauna: Wo Arbeiter einst schwitzten und heute Kaffee duftet

Cafe Vitakiven Sauna
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Das Café Virtakiven Sauna direkt an den Stromschnellen ist ein echter Geheimtipp!

Schon am ersten Tag überrascht uns Kouvola, liebevoll wegen seiner brutalistischen Architektur von den Einheimischen auch „Betonikaupunki“ genannt, mit einer lebendigen Mischung aus Tradition und Moderne. Unser erster Stopp des Tages ist das charmante Café Virtakiven Sauna. Es liegt ganz idyllisch im Stadtteil Voikkaa, direkt an den Stromschnellen des Nebenflusses Välikymi. Das historische Gebäude war einst eine Arbeitersauna der dort ansässigen Voikka-Papierfabrik, heute vereint es Café, Bistro, Hofladen und Eventlocation. Auch eine Übernachtung ist möglich entweder in gemütlichen Gästezimmern oder auf einem nostalgischem Boot am Fluss. Eija Parkkinen, die Inhaberin, empfängt uns herzlich. Mit strahlenden Augen zeigt sie uns die Theke voller selbstgebackener Köstlichkeiten. Beim Anblick des hausgemachten Kuchens und Gebäcks wie duftende Zimtschnecken, Blaubeerplunder und Erdbeersahnetorte, deren frische Erdbeeren übrigens direkt aus dem café-eigenen Garten stammen, beschließen wir spontan, hier gibt es ein zweites Frühstück!

Bei Kaffee und Gebäck erzählt uns Eija ihre bewegende Geschichte. Die Pandemie traf sie hart. Sie verlor nicht nur ihre Schwester und Mitbetreiberin, sondern stand plötzlich auch vor der Frage, wie es mit dem Cáfe weitergehen soll. Doch statt aufzugeben, kam sie auf eine kreative Idee: Mit der Charity-Aktion „Jetzt Kaffee kaufen und später trinken“ und dann mit dem Verkauf von Kaffeepaketen, deren Verkaufspreis einen Spendenanteil enthielt, gelang es ihr, das Café durch die schweren Zeiten zu bringen. Heute ist ihr Café, das von Anfang Mai bis Ende August geöffnet ist, ein beliebtes Ausflugsziel, das sowohl Touristen als auch Einheimische gleichermaßen begeistert.

Eija Parkkinen und das Kuchen-Büfett
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Eija Parkkinen vor der Theke mit ihren selbstgebackenen Kuchen und Gebäckspezialitäten.

Doch das Besondere an diesem Café ist nicht nur das Essen, sondern vor allem die Atmosphäre: Jedes Möbelstück, jede Lampe, das gesamte Innendesign – alles ist vom Flohmarkt, upgecycelt oder von Eija selbst gestaltet. Und auch das Geschirr und die bunten Tassen sind alles Spenden von Gästen und Freunden. Jedes Jahr im Sommer verwandelt sich der Flussgarten an den Stromschnellen in eine Konzertbühne für lokale Bands und Musiker. Wer möchte, kann hier sogar Geburtstage oder Firmenevents feiern. Und natürlich darf, wie der Name des Cafés es vermuten lässt, auch die Sauna nicht fehlen, die von Mai bis August immer dienstags für die Gäste angeheizt wird.

HoviRuoka: karelische und vegane Piroggen aus finnischen Rohstoffen

Piroggen von HoviRuoka
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Neben traditionellen Piroggen stellt das Unternehmen HoviRuoka auch eine vegane Alternative her.

Nach unserem Café-Besuch führt uns der Weg zu HoviRuoka, einem der größten Hersteller von Fertigprodukten in Finnland, wo wir später auch eine Führung durch die Produktionsanlagen bekommen und live erleben dürfen, wie Piroggen hergestellt werden! Neben Klassikern wie karelischen Piroggen, Fleischpasteten oder Mämmi, der beliebten, finnischen Ostermalzspeise, setzt das Unternehmen seit über zehn Jahren auch auf eine vegane Produktlinie und ist sogar darin Pionier in Finnland. Von Kouvola aus erobern Vihis, Hoviruokas Veggie-Piroggen, und weitere vegane Produkten wie Gemüsebratlinge und vegane Burger die Supermarktregale in ganz Finnland.

Gruppenfoto Besuch Hoviruoka
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Werksführung bei HoviRuoka mit Geschäftsführer Pekka Kaikkonen (Mitte) war ein echtes Highlight.

Geschäftsführer Pekka Kaikkonen empfängt uns mit duftendem, finnischen Kaffee und seinen herzhaft-knusprigen Piroggen zunächst im Meetingraum und stellt uns das Unternehmen in einem kurzen Video vor. Dann geht es los zur Betriebsbesichtigung. Hierzu müssen wir uns in Schutzkleidung hüllen und sehen ein wenig aus wir Marsmenschen. Aber das ist wichtig, denn hier werden immerhin täglich Lebensmittel verarbeitet und da herrschen natürlich grundsätzlich hohe Hygienestandards.

Auf der Werksführung erzählt uns Pekka wie das Unternehmen Tradition und Fortschritt vereint. Hier zeigt sich, dass Massenproduktion nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig sein kann. Fast alle Zutaten stammen aus regionalem Anbau, vom kaltgepressten Rapsöl bis hin zum finnischen Getreide. Eine Ausnahme macht natürlich der Reis, der hier in Finnland nun mal nicht wächst. Der Besuch bei HoviRuoka zeigt, dass die Food-Szene Kouvolas nicht nur mit handgemachten Köstlichkeiten glänzt, sondern auch mit klugen Konzepten für Regionalität, Nachhaltigkeit und Innovation. Das Unternehmen möchte mit seinen veganen Produkten nun auch den internationalen Markt erobern.

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(VIDEO: Bettina Abendroth, Bettys Vacation) Wer Lust hat einen Blick hinter die Kulissen von HoviRuoka zu werfen: Hier geht’s zum Video!

Vom Rockmusiker zum Sternekoch: Wie Jussi Mattsson die finnische Küche neu erfindet

Jussi Mattsson Rokkileipuri
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Jussi Mattsson bringt mit seinen Kreationen Finnlands Seele und Aromen auf den Teller.

Jussi Mattsson, in Kouvola auch als „Rokkileipuri“, als der Rockbäcker, bekannt, empfängt uns nach unserer Betriebsbesichtigung bei HoviRuoka ganz in der Nähe zum Mittagessen in seiner angemieteten Showküche. Er beweist uns: In Kouvola wird nicht nur Musik, sondern auch die finnische Küche neu erfunden. Sein Dreigängemenü vereint Innovation, regionale Zutaten und Finnlands kulinarische Vielfalt. Die Vorspeise besteht aus Topinambur, an eingelegten Birnenstückchen, Ziegenkäse, Honig und brauner Butter. Als Hauptgang gibt es zarte Rinderbäckchen mit Kartoffeln, Kaviar und einer köstlichen Soße und zum Abschluss serviert uns Jussi ein Küchlein mit Zitronen-Baiserhäubchen, garniert mit aromatischen, finnischen Erdbeeren und frischer Minze. Ein Festmahl, das förmlich auf der Zunge zergeht!

Während des Essens erfahren wir auch mehr über seine ebenso ungewöhnliche Geschichte. Ursprünglich ist Jussi Gitarrist und Songwriter. Er war nicht nur bereits auf vielen finnischen Bühnen live zu hören, sondern auch schon Gast im finnischen Fernsehen. Seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckte Jussi während der Pandemie – als Liveauftritte ausfielen und seine Existenz als Musiker ins Wanken geriet. Inspiriert von einer australischen Kochshow entdeckte er seine Leidenschaft fürs Kochen und baute sich so eine neue Zukunft auf. Heute betreibt er ein erfolgreiches Catering-Unternehmen, besitzt einen eigenen Foodtruck, entwickelt innovative Gerichte für Restaurants und verkauft sogar sein eigenes Pizzamehl.

Rokkileipuri signiert Buch
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Rokkileipuri beim Signieren seines Kochbuches.

Seine Kreationen sind wie seine Musik, leidenschaftlich, innovativ und voller finnischer Seele. Und Autor ist er auch noch: Sein Kochbuch „Hyvää pohjat palkitsee aina“ ist eine Sammlung seiner Lieblingsrezepte. Eine Fortsetzung ist geplant, denn die gedruckte Auflage war ruckzuck vergriffen. Uns hat es deshalb gefreut, dass wir von Rokkileilpuri beide ein handsigniertes Exemplar als Erinnerung überreicht bekamen. Wer sich für das Kochbuch interessiert, kann es derzeit aber noch online als E-Book erwerben.

UNESCO-Weltkulturerbe Verla – wo Finnlands Papiergeschichte lebendig wird

Verla von oben_(c)VisitKouvola
(FOTO: Visit Kouvola) Die ehemalige Papier- und Kartonagenfabrik Verla ist das perfekte Ausflugsziel um die Geschichte der Region Kymenlaakso kennenzulernen.

Am Nachmittag steht Geschichte auf unserem Programm. Die industrielle Vergangenheit der Region Kymenlaakso zeigt sich besonders eindrucksvoll hier am Vähä-Kamponen-See, etwas nördlich von Kouvola. Die dort stehende Verla Papier- und Kartonagenfabrik ist heute ein Museum und gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Fabrikensemble samt Arbeitersiedlungen gibt einen spannenden Einblick in das Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise in die Blütezeit der finnischen Papierindustrie. Besonders beeindruckend sind die noch originalgetreu erhaltenen Produktionshallen, in denen einst das „Weiße Gold Finnlands“ entstand. Wer noch ein passendes Mitbringsel sucht, der wird entweder im Museumshop oder in einem der kleinen Souvenirläden auf dem Museumsgelände fündig. 

Bevor uns Guide Florian aus Bayern in einer deutschen Führung auf eine Zeitreise mitnimmt, machen wir noch einen Abstecher ins neu eröffnete Restaurant Patruunan Pytinki. Mika Paalanen eröffnete hier erst in diesen Sommer ein Restaurant im charmanten weißen Holzhaus auf dem Museumsgelände, das der Architekt Eduard Dippel ursprünglich 1885 als Wohnhaus für den Fabrikdirektor und Teilhaber Gottlieb Kreidl entwarf. Später bewohnten es die leitenden Angestellten bzw. Verwalter der Fabrik Verla. Heute beherbergt das historische Haus nicht nur den Museumsshop, sondern auch das neue Restaurant. Dieses ist von Mai bis September geöffnet und überzeugt nicht nur optisch und mit seinem nostalgischen Interior, sondern auch mit einem vielseitigen Menu und einer exzellente Weinkarte mit edlen Tropfen aus aller Welt.

Nur einen Steinwurf vom Museumsgelände entfernt, gibt es direkt am Parkplatz noch ein weiteres Highlight zu entdecken: Eine Aussichtsplattform am See mit Blick auf die gegenüberliegenden Felsen. Bei gutem Licht kann man dort an den Felsen prähistorische Felsmalereien entdecken. Das verrät zumindest die Infotafel am Aussichtspunkt. Ein faszinierender Kontrast zwischen industrieller Blüte und urgeschichtlicher Vergangenheit.

Prähistorische Felsenmalereien Verla
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Prähistorischen Felsmalereien am Vähä-Kamponen See.

Proteindrinks und Kouvola-Lakritze – Exportschlager aus Finnland

Chefs der Finnish Food Factory
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Geschäftsführer Janne Hirvonen (links) und Betriebsleiter Kari Rantanen sehen viel Potenzial für ihre Privat-Label-Produkte auf dem internationalen Markt.

An Tag zwei geht es vormittags weiter mit Food, denn Kouvola hat foodtechnisch noch mehr zu bieten. Die Finnish Food Factory zum Beispiel: Das im Jahr 2018 gegründete Unternehmen entwickelt Proteindrinks, Milchalternativen wie Eiskaffee und Soßen sowie Frühstücksbrei in Form von Private-Label-Produkten für führende, finnische und internationale Marken. Geschäftsführer Janne Hirvonen und Betriebsleiter Kari Rantanen empfangen uns und erzählen uns mehr über das Unternehmen. So erfahren wir, dass das Unternehmen seine Partner auch bei der Umsetzung zukunftsweisender Konzepte begleitet und zwar von der Rezepturentwicklung bis hin zur Markteinführung. So werden in Kouvola aus Ideen marktfähige Lebensmittel für ganz Finnland und den weltweiten Export. Sicher ein Grund für den internationalen Erfolg des finnischen Unternehmens.

Santeri Nisula zeigt Kouvolan Lakritz
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Santeri Nisula mit der Lakritze aus Kouvola.

Im neuen Besucherzentrum des Lakritzherstellers Kouvolan Lakritsi direkt im Stadtzentrum von Kouvola treffen wir im Anschluss auf Santeri Nisula. Er erzählt uns, dass er das Unternehmen bereits in zweiter Generation führt, die Geschichte des Unternehmens aber noch viel weiter zurückgeht. Gegründet wurde die Lakritzfabrik nämlich 1906 in Wyborg, in einer Stadt, die heute zu Russland gehört. In den 1940er-Jahren zog das Unternehmen dann nach Kouvola um. Besonders stolz ist Santeri Nisula auf die einzigartige Lakritz-Rezeptur, die seit 1960 unverändert geblieben ist, und die der Kouvola-Lakritze ihre unverwechselbare, weiche Konsistenz verleiht und bis heute ein wohl gehütetes Firmengeheimnis ist. Natürlich dürfen wir die Lakritz auch probieren. Diese schmilzt förmlich auf der Zunge, mit einer sanften Süße und einem Hauch von Salz.

Bettina Abendroth und Inken Paletta
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Nach der Lakritzverkostung musste natürlich noch ein Erinnerungsfoto vor der Kouvolan Lakritsi-Fotowand sein!

Lakritzliebhaber können hier wie wir an einer Werksführung teilnehmen und alles über die Geschichte des Unternehmens und der Lakritze erfahren. Im Workshops wird zudem verraten, wie aus Süßholz und weiteren Zutaten die berühmte Kouvola-Lakritze entsteht. Ein Muss für alle Liebhaber des schwarzen Goldes! Die neueste Erfindung und ein echter Exportschlager des Unternehmens ist übrigens der Gin „Arctic Blue Laku“, der einen leichten Lakritzgeschmack aufweist, und sogar von Kouvola bis nach Asien exportiert wird.

Café Papulaari: Leckere Kuchen und der Duft des Kouvola-Kaffees

Cafe Papulaari
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Das Café bietet eine große Auswahl an verschiedenen Kaffeesorten.

Bevor es zum Essen in den Stadtteil Kuusankoski geht, der erst 2009 eingemeindet wurde, machen wir Halt im gemütlichen Café Papulaari mit eigener Kaffeerösterei. Das Café wird betrieben von Kimmo Kero und liegt mitten im Herzen  von Kouvola. Hier gibt es hausgerösteten Kaffee und Tee in diversen Sorten, täglich auch leckeren Mittagstisch und auch Rokkileipuris Gebäck und Kuchen. Beliebt ist zum Beispiel der Kouvola-Kaffee, der Cicciolina mit Kakaonote oder der Sysikymi. 

Wer mag kann hier an einem Kaffee-Tasting teilnehmen oder im angegliederten Second Hand Shop stöbern. Über dem Café lädt außerdem ein Wellness-Center, die Nirvana Lounge, zum Entspannen ein, und im Geschäft nebenan gibt es handgefertigten Schmuck. Wer ein passenden Mitbringsel sucht, wird hier sicherlich fündig.

Restaurant Vanha Kauppa: glutenfreie Craft-Biere und lokale Speisen

Bierrestaurant Vanha Kaupa
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Im historischen Gebäude Vanha Kauppa befindet sich heute ein Restaurant, das lokale Speisen, hausgemachte Pizza und glutenfreie Craft-Biere serviert.

Weiter geht’s anschließend in das Restaurant Vanha Kauppa mit eigener Brauerei im Stadtteil Kuusankoski. Wer Craft-Bier liebt und lokale Spezialitäten probieren möchte, ist hier richtig. Inhaber Toni Rautjoki verrät uns, dass man in der angegliederten Mikrobrauerei auf lokale Rohstoffe setzt. Neben den klassischen Hoppa-Bieren braut das Team auch glutenfreie Craft-Biere, eine Rarität in der lokalen Szene. Im Sommer werden Biere und Speisen bei Livemusik im hauseigenen Biergarten serviert – ein weiteres Zeichen für die innovative, Food-Kultur der Region. Doch nicht nur Bier steht im Fokus. Das Restaurant überzeugt auch mit hausgemachter Pizza in diversen Varianten. Wer lokale Spezialitäten mitnehmen möchte, im restauranteigenen Shop gibt es eine große Auswahl an regionalen Produkte zu kaufen.

Toni Rautjoki Vanha Kauppa
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Inhaber Toni Rautjoki weiß genau, welches seiner Biere zu welchem Gericht passt.

Das historische Gebäude Vanha Kauppa hat übrigens auch eine spannende Geschichte vorzuweisen. Wie das Wort „kauppa“ bereits andeutet, war das historische Gebäude einst eine Art Einkaufzentrum. Nach seiner Erbauung im Jahr 1920 beherbergte es zu damaligen Zeiten eine Metzgerei, einen Friseur, ein Musik- und Instrumentengeschäft sowie den Gemischtwarenladen der Heinonen & Laurikainen Oy. Als man das Einkaufszentrum 1984 schloss stand das historische Gebäude lange Jahre leer und verfiel zunehmend, bis die Geschwister Toni und Leni Rautjoki das Gebäude 2016 entdeckten, kauften und originalgetreu nach historischen Plänen sanierten. 2024 wurden die beiden dafür sogar mit einem Kulturpreis der Provinz Kymenlaakso geehrt.

Das Restaurant kann auch für Events angemietet werden. Hier im Restaurant Vanha Kauppa treffen wir auf einem Branchentreffen nach dem Essen daher nicht nur auf bereits bekannte Gesichter, sondern auch auf weitere Firmeninhaber, die uns mehr über ihre Arbeit und ihre Unternehmen erzählen sowie auf Vertreter der Fachhochschule Süd-Ostfinnland (XAMK) und der LUT Universität Kouvola, die uns verraten, dass es auf dem Kouvola Campus auch ein interessantes Angebot aus verschiedenen food-orientierten Studiengängen gibt. Der rege Austausch war sehr inspirierend. Mehr über die Lebensmittelbranche in Kouvola und die Studiengänge bietet dieser separate Beitrag. 

Netzwerk-Event Kouvola 2025 Vanha Kauppa
(FOTO: Enrico Düwel) Das Netzwerk-Event im Vanha Kauppa bot einen inspirierenden Austausch.

Foodfestivals und Wochenmarkt in Kouvola

Markt Kouvola
(FOTO: Enrico Düwel) Der Wochenmarkt von Kouvola ist der ideal Ort, um lokale Produkte und Speisen zu probieren!

Doch Kouvola hat kulinarisch noch viel mehr zu bieten. Veranstaltungen wie das Kymijoki Beerfestival und wiederkehrende Street Food Festivals sind nicht nur bei Einheimischen beliebt. All diese Festivals bieten eine gute Gelegenheit, regionale Spezialitäten kennenzulernen und zu probieren. Außerdem prägen rund 140 Restaurants und Cafés Kouvolas Foodszene. Ein echter Geheimtipp ist außerdem der in den Sommermonaten regelmäßig stattfindende Wochenmarkt im Stadtzentrum von Kouvola.

Piia Viljasuo
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Piia Viljasuos zeigt uns ihre hausgemachten Produkte.

Hier kann man die vielen lokalen Spezialitäten familiengeführter Betriebe kennenlernen, zum Beispiel die Beerensäfte, den Sirup und Senf sowie die Brotaufstriche und leckeren Marmeladen von Piian Herkut aus Loviisa. Die Moltebeermarmelade abgefüllt in niedlichen Teddybärgläsern ist mein ganz persönlicher Favorit. Doch Piia Viljasuo die Inhaberin verkauft ihre Produkte nicht nur in Loviisa oder Kouvola, sondern auch in Geschäften am Helsinkier Flughafen und auf dem Helsinkier Weihnachtsmarkt. Eine der Lieblingszutaten von Piia ist Chili, den sie wie viele andere Zutaten auch im eigenen Garten anbaut. Zu empfehlen ist aber nicht nur der Ingwer-Chili-Sirup, sondern vor allem auch der Fichtensprossen Sirup, der den Geschmack finnischer Wälder einfängt.

Produkte Piian Herkut
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Die Produkte von Piian Herkut bringen die Aromen finnischer Wälder auf den Teller.

Punk-Musik, zeitgenössische Kunst und Alvar Aalto Architektur

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Tipps zu Musik und Kultur. Denn die Stadt hat auch eine lebendige Rock- und Punkszene. Bekannte Bands wie die Band Peer Günt oder die Metalband Viikate stammen von hier. In diversen Bars und Kneipen wie dem House of Rock oder dem Gastropub Betony gibt es regelmäßig Live-Musik. Seit 2017 trägt Kouvola auch den Titel UNESCO-City of Design und das zu Recht. Kunstliebhaber finden Skulpturen und Kunstinstallationen im öffentlichen Raum. Wechselnde Ausstellungen im Antares Taidekeskus oder in der Taideruukki Art Factory zeigen zeitgenössische oder lokale Kunst. 

In der Region Kymenlaakso stehen zudem die meisten Alvar Aalto-Gebäude in ganz Finnland, darunter Industrieanlagen, Wohnblocks und Wohnhäusern, die Aalto entwarf. Interessante Stopps in Kouvola entlang der Alvar Aalto Route sind die zwischen 1937 und 1956 von Alvar Aalto entworfene ehemalige Papierfabrik Anjala samt Arbeitersiedlungen in Inkeroinen im Kulturpark Ankkapurha oder die örtliche Grundschule Tehtaanmäki. Sie ist tatsächlich die einzige von Alvar Aalto entworfene Grundschule, die noch in ihrer ursprünglichen Form genutzt wird. Eine tolle Möglichkeit um Einblicke in Aaltos funktionalen, organischen Stil zu bekommen, der die finnische Moderne prägte. Und natürlich gibt es im Stadtzentrum von Kouvola auch einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken wie das Rathaus im Stadtzentrum, die Zentralkirche von Kouvola oder die orthodoxe Heiligkreuzkirche, die allesamt von Kouvolas Geschichte erzählen.

Eine Region der Kontraste: wir kommen wieder!

Nach zwei intensiven, unvergesslichen Tagen in der Region Kymenlaakso und der Stadt Kouvola steht für uns fest: Die Stadt und Region haben uns nicht nur beeindruckt, sondern neugierig gemacht. Es gibt noch so viel zu entdecken. Wir kommen bestimmt noch einmal wieder! Jetzt aber geht die Reise weiter. Unser nächstes Ziel auf unserer kulinarischen Reise durch Finnland ist Kitee und die malerische Region Nordkarelien. Was uns dort erwartet? Das verraten wir euch im nächsten Blogbeitrag!  


Finnische Aromen in Berlin: Kymenlaakso und Kouvola auf der Grünen Woche 2026

Grüne Woche Berlin Finnlandstand
(FOTO: Bettina Abendroth, BettysVacation) Kommt zur Grünen Woche nach Berlin und erlebt Kymenlaaksos und Kouvolas Produkte, Speisen und Aromen hautnah!

Wer 2026 nicht selbst nach Finnland reisen kann, bekommt auf der Grünen Woche in Berlin wieder eine besondere Chance: Vom 16. bis 25. Januar 2026 präsentieren Hersteller aus Kymenlaakso und Kouvola in Halle 8.2 am Stand 116 ihre kulinarischen Highlights – von exquisitem Lakritz-Gin „Arctic Blue“ und finnischer Lakritze über innovative Haferprodukte bis zu fruchtigen Beerenkreationen.

Ein Stück Finnland zum Probieren, Staunen und Genießen – direkt in Berlin!

Finnland Grüne Woche 2026
(Collage und FOTOS: Inken Paletta, Finntastic) Kommt vorbei und lernt die Aromen der finnischen Region Kymenlaakso kennen!

Wo? Grüne Woche Berlin 2026, Halle 8.2, Stand 116 
Wann? 16.–25. Januar 2026

—> Weitere Informationen zum Finnlandstand auf der Grünen Woche hier!

Für Finnlandfans und Foodies:

  • Kommt zur Grünen Woche und verkostet Spezialitäten und Naturprodukte wie Beerensäfte, Haferprodukte und finnische Lakritz.
  • Trefft die die Macher hinter den Produkten, hört ihre Geschichten und macht euch selbst ein Bild von der Vielfalt der Region!
  • Erhaltet Tipps für euren Besuch in Kymenlaakso und Kouvola

Für Studierende:

Entdeckt das Studienangebot der XAMK und LUT Universität Kouvola:

Highlight: Finnisch-Hessisches Kochevent auf der Grünen Woche 2026 in Berlin

Reiner Neidhard und Rokkileipuri
(FOTO: Inken Paletta, Finntastic) Lasst euch ein Live-Event mit Jussi Mattsson, dem legendären Rockbäcker und Hessens TV-Koch Reiner Neidhart auf der Grünen Woche in Berlin nicht entgehen!

Was erwartet euch?  Gemeinsam mit Reiner Neidhart kreiert Jussi Mattsson vor Ort hessisch-finnische Köstlichkeiten, live und zum Probieren!
Tervetuloa! Herzlich willkommen!


Reiseinfos Kymenlaakso und Kouvola kompakt

Anreise

Flug: Direktflüge ab Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin nach Helsinki (Dauer ca. 2-2,5 Std.)
Finnlines-Fähre: Lübeck-Helsinki (Übernachtung an Bord)
Weiterfahrt ab Helsinki:  
Pendolino-Schnellzug (Helsinki-Kouvola, ca. 1,5 Std)
oder
Mietwagen ab Helsinki nach Kouvola (Dauer. ca. 1,5 Std.)

Unterkünfte
  • Tykkimäkki Resort (Mökki mit Sauna, Hütte mit Trockentoilette, Glampingzelt, Camping)
  • Virtakiven Sauna (Übernachtung im Gästezimmer oder im Boot an den Stromschnellen)
  • Hotels: z.B. Hotel Sommelo oder Scandic Hotel Kouvola
Beste Reisezeit:
  • Ruska-Aika (September): Goldenes Herbstlaub im Repovesi-Nationalpark
  • Juni: Rhododendron-Blüte im Arboretum Mustila
Reise-Highlights
Food-Festivals und -events: Der ideale Ort zum Probieren lokaler Spezialitäten
Restaurants & Cafés

Mehr Informationen über die Stadt und Region findet ihr auch bei Visit Kouvola.

* Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kouvola Innovation Oy und wird unterstützt durch Fördergelder der Europäische Union und der Kymenlaakson liitto. Wir bedanken uns bei Päivi Karhunen und Noora Juvonen von Kouvola Innovation für die hervorragende Organisation der Reise und die Betreuung vor Ort. 

Kymenlaakso und Kouvola - Logos der Kooperationspartner

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